»Dieses Herrchen hatte in Erfahrung gebracht,« fuhr Tuganow fort, »daß bei unserm Bischof noch nie jemand zu Mittag gespeist hätte, – und wettete im Klub mit dem Polizeimeister, er werde schon mal bei dem Alten essen. Ausgerechnet muß der Bischof Wind davon bekommen.«

»O weh, o weh!« sagte Zacharia gedehnt.

»Besagter Kavallerist macht also Seiner Eminenz seinen Besuch am frühem Morgen und geht einfach nicht fort. Als es bereits sechs Uhr vorüber ist, kann er's natürlich vor Hunger nicht mehr aushalten und will sich verabschieden. Aber der schweigsame Bischof, der ihm die ganze Zeit zugehört hatte, ohne selbst zu reden, meinte sehr freundlich: ›Wollen Sie nicht zum Essen bleiben?‹ Na, denkt er, die Wette ist gewonnen! Aber der Bischof ließ ihn noch eine Stunde hungern, ehe es zu Tische geht.«

»Das war doch unnütz,« warf Zacharia ein, »ganz unnütz.«

»Warten Sie nur. Sie treten also ins Eßzimmer ein. Der Bischof bleibt vor dem Gottesbilde stehen und beginnt zu beten, – ein Gebet, dann noch eins, und ein drittes. – Es vergeht wieder eine ganze Stunde und der hungrige Gast ist fast dem Verenden nahe. ›So, nun kann das Essen aufgetragen werden,‹ sagt Eminenz endlich. Und zwei winzige Teller mit Erbsensuppe und Zwieback werden gebracht. Als sie verzehrt sind, erhebt sich der Bischof wieder und sagt: ›Danken wir jetzt dem Herrn, der uns gesättigt hat.‹ Das ward dem Kriegsmann denn doch zu viel, und während der Bischof betete, schlich er sich unbemerkt aus dem Zimmer. Der Alte erzählte es mir gestern: ›Dieser Geist läßt sich durch nichts austreiben, es sei denn durch Beten und Fasten,‹ schloß er.«

»Er ist ein Mann von Geist und von feinem und angenehmem Benehmen,« sagte Tuberozow, dem diese Anekdötchen wenig Freude zu machen schienen.

»Ja, aber er klagt und jammert auch, es gäbe keine Leute. ›Wir fahren über ein tiefes Meer,‹ sagt er, ›auf schwankem Schiff mit trunkenen Matrosen. Gott bewahre uns vor einem Sturm.‹«

»Ein bitteres Wort,« warf Tuberozow ein.

»Übrigens,« begann Tuganow von neuem, »meinte er, Euere Stadt mache ihm keine Sorgen. ›Ich habe dort zwei Popen,‹ bemerkte er, ›der eine ist klug und der andere fromm.‹«

»Der Kluge ist Vater Sawelij,« bestätigte Zacharia.