Er gedachte der Worte, die einst die verstorbene Bojarin Marfa Plodomasowa zu ihm gesprochen: »Und bist du denn nicht einsam? Was sagt denn das, daß du eine gute Frau hast, die dich liebt? Was dich quält, wird sie doch nicht verstehen. Und so ist jeder, der weiter sieht als sein Bruder, einsam inmitten der Seinigen.«

»Ja, einsam, unsagbar einsam!« flüsterte der Alte. »Und es ist am stärksten zu fühlen, wenn man am innigsten verlangt, es nicht zu sein; denn … mag ich nun ein Maniak sein oder nicht … ich habe beschlossen, das nicht länger zu dulden, und was ich beschlossen, das vollbringe ich auch.« Leise stand der Alte vom Bette auf, um die Schlafende nicht zu stören, segnete sie mit dem Zeichen des Kreuzes, stopfte dann seine Pfeife und ging in den Hof hinaus, um sich vor dem Hause niederzusetzen.


Achtes Kapitel.

Tief in Gedanken versunken saß der alte Mann. Die dünnen Tabakswölkchen, die sich von seinem weißen Schnurrbart lösten und in der Luft zerflatterten, glänzten bernsteinfarbig im Lichte der aufgehenden Sonne. Die Hühner flogen von ihren Stangen herunter, kamen aus dem Stall, schüttelten sich und strichen ihr Gefieder. Jetzt klang von der Brücke die Lindenholzflöte des Hirten herüber, am Ufer klirrten die leeren Eimer, mit denen ein barfüßiges Weib nach Wasser ging; überall hörte man die Kühe brüllen, und die eigene Dienstmagd des Propstes kam gähnend, das Zeichen des Kreuzes über dem weitaufgerissenen Munde machend, aus dem Stall und trieb die Kuh mit einer Gerte vor sich her. Drinnen am Fenster sang der Kanarienvogel aus voller Kehle.

Im vollen Glanze war der junge Tag erschienen.

Vom Dom her ertönte der erste Glockenschlag.

Vor dem Pförtchen erschien eine junge Zigeunerin mit einem Kinde an der Brust, einem zweiten auf dem Rücken und dreien, die sich an ihre zerlumpten Kleider klammerten.

»Gib mir was, frommer Vater, gib mir was, du Glücklicher, Segensreicher!« bettelte sie den Propst an.