Das fatale Schreiben war ein höchst formloses Dokument, in jenen unangenehmen, vieldeutigen Ausdrücken abgefaßt, an denen die Kanzleisprache so reich ist. Es stellte an den Propst Tuberozow »konfidentiell« das Ersuchen oder die Forderung, beim Regierungsbeamten Bornowolokow zu erscheinen »zwecks Abgabe näherer Erklärungen über einige wichtige Punkte, sowie auch über das anstößige und unpassende Betragen des Diakons Achilla Desnitzyn.«
»Ei zum Donnerwetter, sollte das nicht ein dummer Scherz sein? … Wollen sie sich jetzt auf diese Weise über mich lustig machen?! Aber nein, das ist kein Scherz! Da steht's: Tuberkulow … Mein Name ist in der offenkundigen Absicht, mich zu kränken, so verdreht worden. Und dann: »das anstößige und unpassende Betragen des Diakons Achilla.« Was bedeutet das alles, wo will man hinaus? Um ihnen den Spaß zu verderben und keinen Fehler zu begehen, wollen wir uns an die Methode des Abwartens halten, die einzig richtige in unklaren Fällen.«
Der Propst nahm die Feder und schrieb unter das formlose Dokument: »Der Propst Tuberozow hält sich, da er über die Vollmachten der ihn zu sich auffordernden Person nicht unterrichtet ist, nicht für verpflichtet, der Aufforderung Folge leisten zu müssen.«
Darauf legte er das Blatt in denselben Umschlag, in dem er es erhalten hatte, und schrieb quer über die Adresse: »Zurück an den, dessen Titel und Würden ich nicht kenne.«
Nachdem er das Paket wieder in das Quittungsbuch gelegt hatte, ging er hinaus und gab es dem Boten. Dem langen Subdiakon Pawliukan, der inzwischen gekommen war, befahl er, den Wagen zu schmieren und in einer Stunde zu einer Fahrt ins Kirchspiel bereit zu sein. Dann schickte er die Magd nach dem Diakon Achilla.
Unterdessen war Natalia Nikolajewna aufgestanden und machte sich, nachdem sie sich mehrmals bei ihrem Gatten wegen ihres gestrigen Einschlafens entschuldigt hatte, eifrig daran, sein Reiseköfferchen zu packen. Höchst erstaunt war sie aber, als er auf ihre Frage, wohin sie den Tabak legen solle, kurz antwortete, er habe das Rauchen aufgegeben, und sich dann gleich dem eben eingetretenen Diakon zuwandte.
»Ich muß gleich eine Amtsreise machen und habe dich kommen lassen, um dich noch einmal zu warnen,« begann er, doch Achilla unterbrach ihn sofort.
»Schönsten Dank, Vater Propst, aber ich bin schon gewarnt.«
»Das hat nicht viel zu sagen und macht mir keine Sorge. Jedenfalls bitte ich dich nur, wenigstens in meiner Abwesenheit etwas solider zu sein.«