Der Propst schwieg. Als er seine Toilette beendet hatte, nahm er Hut und Stab und begab sich zur Kirche, wo der Vespergottesdienst bereits begonnen hatte.

Fünf Minuten später stand er im Altarraum seitwärts vom Opfertisch am Fenster und schrieb etwas auf ein Blatt Papier, welches er gegen das schräge, von der untergehenden Sonne hell beleuchtete Fensterbrett stützte. Was mag er da schreiben? Wir können es über seine Hand hinweg ganz gut lesen. Folgendes stand auf dem an den Polizeichef Porochontzew adressierten Blatte: »Da ich die Absicht habe, morgen anläßlich des hohen Festtages eine feierliche Messe in der Domkirche abzuhalten, so erachte ich es für meine Pflicht, Euer Hochwohlgeboren davon in Kenntnis zu setzen, und knüpfe daran die ergebenste Bitte, heute noch rechtzeitig allen Beamten davon schriftlich, gegen Empfangsbestätigung, Mitteilung zu machen, damit dieselben in der Kirche erscheinen können. Insonderheit bitte ich dieses denjenigen Herren Beamten zu empfehlen, die am meisten dazu neigen, diese ihre Pflicht zu vernachlässigen, denn ich bin entschlossen, über das schlechte Beispiel, das sie damit geben, der Obrigkeit unverzüglich Bericht zu erstatten. Den Empfang dieses Schreibens bitte ich Euer Hochwohlgeboren mir gütigst bestätigen zu wollen.«

Der Propst ließ sich das Botenbuch bringen, setzte eine Nummer auf sein Schreiben, trug es eigenhändig ins Buch ein und schickte den Glöckner damit zu Porochontzew.


Einundzwanzigstes Kapitel.

Die Nacht, welche diesem Abend im Hause Sawelijs folgte, erinnert uns an jene, da wir den Alten über seinem Tagebuche sahen: er war ebenso allein in seiner Stube, ging ebenso auf und ab, setzte sich ebenso hin, schrieb und sann nach, – aber sein Buch lag diesmal nicht vor ihm. Auf dem Tisch, an den er immer wieder herantrat, lag ein kleines doppelt gefaltetes Blättchen, und auf dieses Blättchen setzte er in winziger, aber doch deutlich lesbarer Schrift folgende fragmentarische Notizen:

»Gott, gib Dein Gericht dem Könige und Deine Gerechtigkeit des Königs Sohne.«

»Übliche Einleitung: meine gestrige Lage während des Gewitters. Der Rabe: wie er sich vor dem Unwetter in der mächtigen Eiche verbergen wollte und den Tod dort fand, wo er Rettung gesucht hatte.

Wie lehrreich mir das Beispiel dieses Raben scheint. Ist das Heil dort, wo wir es wähnen, die Not dort, wo wir sie fürchten?