Die ungeheure Spannung, die diese Zeile entfesselt, zwingt uns, hier haltzumachen, um dem Leser Zeit zu geben, sich auf das Fürchterliche vorzubereiten, das nun kommen soll.
Neuntes Kapitel.
Vor Erregung am ganzen Leibe zitternd, das riesige Küchenmesser in der Hand, den rechten Ärmel der Nachtjacke hinaufgeschoben, ging die Postmeisterin direkt auf die Tür zum Bureau los und legte das Ohr noch einmal an den Spalt. Es war kein Zweifel möglich: das unselige Paar lag im süßesten Schlaf; man hörte ganz deutlich, wie das eine stärkere Wesen tiefe Kehllaute von sich gab, während das andere, zartere, sich auf ein ganz sanftes Pfeifen beschränkte.
Die Postmeisterin steckte das Messer in den Türspalt, schob den Haken zurück und die leichte Tür ging mit leisem Knarren auf.
Es war noch früh am Morgen, kaum hoben sich die Fenster durch ihr mattes Grau von der Finsternis ab, doch das geübte Auge der Postmeisterin erkannte sowohl den Tisch mit der Postwage, als auch den zweiten langen Tisch in der Ecke und das Sofa.
Mit der linken Hand sich an der Wand entlang tastend, bewegte sich die zürnende Dame direkt auf das Sofa zu und erreichte ohne besondere Schwierigkeiten den Schnarcher, der mit tief herabhängendem Kopfe ganz am Rande lag. Er hatte nichts gehört, und als die Postmeisterin vor ihn hintrat, schien er sogar mit ganz besonderem Eifer und Genuß in den lieblichsten Säuseltönen zu schwelgen, als ob er ahnte, daß die Sache bald ein Ende haben werde und daß es ihm heute nicht mehr vergönnt sein werde, sich diesem Vergnügen hinzugeben.
So kam es denn auch.
Noch war der Schläfer mit seiner letzten Fioritur nicht ganz fertig, als die Linke der Frau Postmeisterin ihn kräftig an den Haaren emporriß und die Rechte, nachdem sie das Messer fallen gelassen, ihm eine schallende Ohrfeige verabfolgte.