Bei der Untersuchung des Schadens bemerkte man, daß auch das Denkmal des Vaters Sawelij gelitten hatte: das Kreuz und der vergoldete Knopf, welche die Pyramide krönten, waren mit Hilfe eines Brecheisens stark verbogen und gelockert, einer der vergoldeten Cherubim abgerissen, erbarmungslos mit dem Beil zerhackt und dann verächtlich weggeworfen, da er keinen nennenswerten Marktwert besaß.
Als Achilla davon Kenntnis erhielt, unterzog er das beschädigte Monument einer genauen Besichtigung und meinte:
»Und wenn du Beelzebub selber wärst, das wirst du mir büßen müssen.«
Vierzehntes Kapitel.
In der darauffolgenden Nacht, gegen elf Uhr, verließ der Diakon, ohne vorher jemandem etwas gesagt zu haben, leise das Haus und schlich sich nach dem Friedhof. Eine lange Stange und eine starke Hanfschlinge trug er in der Hand.
Niemand kam ihm in den Weg, niemand bemerkte ihn. Kurz vor halb zwölf erreichte er den Friedhof. Er betrachtete das Tor: es war geschlossen und klapperte leise, vom frischen Frühlingswind gerüttelt. Allem Anschein nach pflegte der Teufel nicht durch dieses Tor zu gehen, sondern nahm einen andern Weg.
Achilla trat zur Seite und stieß mit der Stange in den weichen Schnee, der den rund um den Friedhof gezogenen Graben füllte. Die Stange durchbohrte die dünne Eisschicht und drang etwa bis zur Hälfte ein. Der Graben war ungefähr zwei und eine halbe Arschin tief. Auf der gegenüberliegenden Seite bildete die abgegrabene Erde einen glitschigen, von außen leicht befrorenen Lehmwall.
Achilla stieß die Stange fester in den Boden, stützte sich auf sie, flog drachengleich empor und gelangte glücklich hinüber. Für die Stange, mit deren Hilfe er diesen gigantischen Sprung allein hatte ausführen können, erwies sich die Wucht seines massigen Leibes allerdings zu schwer: sie brach in demselben Augenblick, in dem die Sohlen des Diakons den Wall berührten. Achilla kümmerte es nicht; er hoffte, auf dem Friedhof irgend etwas anderes zu finden, das ihm auf dem Rückwege denselben Dienst leisten könnte. Außerdem hatte ihn jenes Gefühl erfaßt, das sich nachts auf dem Friedhof unser so leicht bemächtigt. Nicht Furcht, sondern eine Art Spannung, bei der alle fünf Sinne erregt und scharf arbeiten. Achilla atmete tief auf, nahm das schwarze Tuchkäppchen vom Kopf, schüttelte die grau gewordenen Locken und sah mit Vergnügen, wie hell das silberne Licht des Mondes über den Gottesacker floß. Wehmut erfaßte ihn, und doch fühlte er sich zugleich so frisch, wie schon lange nicht; er gedachte der alten Zeiten und ihrer Kämpfe und sandte dem Monde einen scherzhaften Gruß hinauf: