»Ja, ja, dem Kostüm nach ist es ein richtiger Teufel, aber das Kreuzlein läßt auf anderes schließen,« stimmte Zacharia ihm bei, trat auf das rätselhafte Geschöpf zu und fragte: »Hör mal, mein Lieber, wer bist du? He? Hörst du, was ich dir sage? … Lieber Freund! … Heda! … Hörst du? … Sprich doch! … Sonst gibt es Prügel! … So rede doch!«

Hier mischte sich der Polizeichef ein und fing selbst an, den Teufel auszufragen, aber ebenso erfolglos.

Der Teufel, der allmählich warm wurde und zu sich kam, rückte nur sachte hin und her und verkroch sich wie eine Schildkröte immer tiefer in seinen Mantel.

Von den verschiedenen Seiten wurden allerlei Meinungen darüber laut: was man jetzt mit diesem Teufel anfangen sollte. Der Polizeichef neigte zu der Ansicht, man müsse ihn, so wie er sei, zum Gouverneur schicken und berief sich dabei auf das alte Gesetz über Ungeheuer und Mißgeburten. Aber alle waren so neugierig, daß sie sich diesem Beschluß energisch widersetzten und die mannigfaltigsten Gründe anführten, um den Polizeichef zu überzeugen, daß der Dämon unbedingt sofort entlarvt werden müsse, um die allgemeine, brennende Neugier endlich zu stillen!

Zwei der Anwesenden nahmen an den Debatten keinen Anteil: der Bürgermeister und Vater Zacharia, denn beide waren in Spezialuntersuchungen vertieft. Der Bürgermeister schlich sich immer ganz leise an den Teufel heran, bald von der einen, bald von der anderen Seite, machte das Zeichen des Kreuzes über ihn und sprang dann geschwind wieder zur Seite, um nicht mit dem Bösen gemeinsam in die Tiefe zu versinken. Zacharia aber riß ihn an den Hörnern und flüsterte ihm zu:

»Hör mal, mein Lieber, sag mir nur das eine: warst du es, der beim Vater Propst die Decke entlang gelaufen ist? Gesteh's und du bekommst keine Schläge.«

»Ich war's,« stöhnte der Teufel dumpf.

Diese ersten Worte des Dämons riefen unter den Anwesenden eine unerwartete Panik hervor, welche durch das wilde Geschrei des draußen stehenden Volkes noch verstärkt wurde. Die Menge hatte die Geduld verloren und drängte ins Haus mit der Forderung, der Teufel solle ihr ausgeliefert werden, wobei ganz laut der Verdacht geäußert wurde, die Polizei beabsichtige, sich vom Teufel »schmieren« zu lassen und ihn dann unbehelligt in sein höllisches Reich heimzusenden. Einige machten den Vorschlag, die Tür aufzubrechen und den Teufel mit Gewalt den Händen der gesetzlichen Obrigkeit zu entreißen. Dieser Drohung folgte ihre Verwirklichung auf dem Fuße, denn man schlug donnernd gegen die Türe. Jedoch der Rittmeister fand das richtige Gegenmittel. Er gab dem Revieraufseher ein Zeichen, worauf dieser sofort die Feuerspritze aus dem Schuppen zog, mit dem Schlauch auf den Zaun kletterte und einen Strahl eiskalten Wassers über die Menge ergoß. Hiermit war das Signal zu einem wilden Tohuwabohu gegeben. Die Menge fuhr zurück, schrie, pfiff, lachte, dann aber wurden die heiteren Gesichter plötzlich ganz ernst, die Leute bissen die Zähne zusammen und drängten von neuem vorwärts. Das kalte Sturzbad hatte seine Schrecken verloren, die Tür krachte, Steine flogen ins Fenster, der Aufseher wurde an den Beinen vom Zaun heruntergerissen, die Menge bemächtigte sich der Spritze und besprengte nun den Aufseher vor den Augen seiner Vorgesetzten. Der Polizeichef und die Honoratioren stürzten in die innern Gemächer und schlossen die Türen hinter sich zu, der Hauptmann Powerdownia aber, der ihnen nicht so schnell hatte folgen können, rannte in der Kanzlei hin und her und schrie:

»Meine Herren! Keine Furcht! Gott mit uns! Wer Waffen hat … rettet euch!«

Sein Blick fiel auf den geöffneten Aktenschrank, er sprang geschwind hinein und schlug die Tür hinter sich zu, durch die zerschlagenen Fensterscheiben aber kamen immer mehr Steine geflogen, und der Teufel selbst schrie laut auf vor Entsetzen und Verzweiflung.