»27. Januar 1842. Ich habe mir bei einem Juden für sieben Rubel eine Spieldose und ein Damespiel gekauft.«

»18. Mai. Ich habe mir einen Zeisig angeschafft und lehre ihn zur Spieldose singen.«

»2. März 1845. Drei Jahre sind vergangen, ohne daß sich in meinem Leben etwas geändert hätte. Ich habe mein Haus bestellt und in den Kirchenvätern und Geschichtschreibern gelesen. Zu zwei Schlüssen bin ich gekommen und möchte sie gerne beide für falsch halten. Der erste ist, daß das Christentum in Rußland überhaupt noch gar nicht gepredigt worden ist, und der zweite, daß die Ereignisse sich wiederholen und man sie voraussagen kann. Über den ersten Schluß redete ich einmal mit meinem sehr verständigen Amtsbruder, dem Vater Nikolaus, und war sehr erstaunt, wie er das aufnahm und mir beistimmte. »Ja,« sagte er, »das ist unbestreitbar, wir werden in Jesu Namen getauft, aber wir nehmen Jesum nicht in uns auf.« Also bin ich es nicht allein, der das sieht, andere sehen es auch. Warum erscheint es aber ihnen allen nur lächerlich, während es mich bis aufs Blut peinigt.«

»Neujahr 1846. Es sind mehrere Polen zu uns in die Verbannung geschickt. Über das Schicksal meines Berichts ist mir noch immer nichts bekannt. Ich interessiere mich lebhaft für die politischen Wirren, die im Westen im Anzuge sind und habe in Anbetracht dessen eine politische Zeitung abonniert.«

»6. Mai 1847. Es sind noch zwei neue Polen zu uns gekommen, der Pater Aloysius Konarkiewicz und Pan Ignacij Czemernicki. Letzterer ist noch ein ganz junger Mann, aber bereits eine komplette Kanaille. Unsere Stadthauptmannsfrau, die ja selber Polin ist, hat sich mit einem ganzen Schwarm von Landsleuten umgeben und begünstigt letzteren vor allen anderen.«

»20. November. Ich bemerke etwas ganz Erstaunliches und Unbegreifliches. Die Polen werfen sich bei uns geradezu zu Herren auf. Man kann durch sie bei der Gouvernementsverwaltung alles erreichen, denn der Czemernicki erweist sich als intimer Freund jenes Kanzleivorstehers, den ich in so guter Erinnerung habe.«

»5. Februar 1848. Was ich mein Lebtag nicht hatte tun wollen, habe ich jetzt getan. Ich habe mich über die Polen beschwert, denn ihr Benehmen übersteigt jegliches Maß. Nicht genug, daß sie sich seit langem schon öffentlich über die Zeitungsmeldungen lustig machen und behaupten, es sei gar nicht so, wie die Blätter berichteten, sondern gerade umgekehrt: nicht wir schlügen die Feinde, sondern wir würden geschlagen, – sie gehen auch schon von bloßen Worten zu Taten über. Bei der Totenmesse für die gefallenen Krieger erhoben sie mit der Stadthauptmannsfrau ein derart unziemliches Gelächter, daß der Oberpfarrer einen Kirchendiener zu ihnen schickte mit der Bitte, sich entweder ruhig zu verhalten oder die Kirche zu verlassen, worauf sie lächelnd hinausgingen. Und als wir mit dem Klerus nach Beendigung des Gottesdienstes am Kolonialwarenladen der Gebrüder Lialin vorübergingen, trat einer von den Polen mit einem Glase Punsch in der Hand vor die Tür und rief, die Stimme des Diakons nachahmend: »Mir noch 'nen Heißen!« Ich begriff, daß es eine Verspottung des »Kyrie eleison« sein sollte, und habe es in meiner Beschwerde auch so erwähnt.«

»1. April. Abends. Meine Beschwerde über das Benehmen der Polen hat, so scheint es, wenn auch spät, doch eine gewisse Wirkung gehabt. Heute früh kam der Chef der Gendarmen in die Stadt und berief mich zu sich und fragte mich lange nach allen Einzelheiten. Ich erzählte ihm, wie es gewesen, und er teilte mir mit, daß all diesen polnischen Gemeinheiten bald ein Ende gemacht werden solle. Ich fürchte nur, daß alles dies wieder mal, recht zum Possen, am ersten April gesagt sein wird. Ich fange an zu glauben, daß dieser Tag wirklich ein trügerischer Tag ist.«

»7. September. Der erste April scheint diesmal doch nicht getrogen zu haben. Konarkiewicz und Czemernicki sind beide in die Gouvernementsstadt versetzt worden.«

»25. November. Unser Stadthauptmann nebst Gemahlin haben uns verlassen. Er ist zum Polizeimeister in der Gouvernementsstadt ernannt worden. Die Strafe ist noch zu ertragen.«