Links von ihm schreitet langsam sein Kutscher, der längst schon seinen Taufnamen verloren hat und von allen nur noch Komar (Mücke) genannt wird. In seinen Händen befinden sich weder Folterinstrumente noch Totenköpfe, noch ein blutbesprengter Leinwandsack, sondern er trägt bloß eine Bank, einen alten roten Fußteppich und ein Paar straff aufgeblasener Schwimmblasen, die mit einem Tuchstreifen zusammengebunden sind.
Die dritte Gestalt, die uns vor einer Viertelstunde so grausig erschien, mit ihrem Schlachtschild unter dem Arm, entpuppt sich als die sehr bescheidene Gattin des Komar. »Mütterchen Felizata«, wie sie von dem Hausgesinde genannt wird, trägt freilich eine sehr schwere Last, die sich aber ganz und gar nicht zu kriegerischen Aktionen eignet. Vor allem trägt die gute Frau ihren eigenen Leib, in dem ein künftiger kleiner Komar junior dem Leben entgegenträumt. Unter dem Arm aber hat sie eine hell in der Sonne glitzernde Messingschüssel, in der ein Bastwisch liegt, mit einem Badehandschuh aus Tuch, im Handschuh ein Stückchen Kampherseife, und auf dem Kopfe ein vierfach zusammengefaltetes Badetuch.
Also ein durch und durch friedliches Bild.
Die weiße Gestalt, die am jenseitigen Ufer langsam zum Wasser hinabschreitet, hat inzwischen auch alles Imponierende und damit auch jede Ähnlichkeit mit dem Standbild des Komturs verloren. Der Mann hat sich in ein weißes Badetuch gehüllt, und als er das Wasser erreicht und das Tuch fallen läßt, ist es nicht mehr schwer, in ihm den wohlbeleibten und ungefügen semmelblonden Kreisarzt Pugowkin zu erkennen.
Der nackte Reiter auf dem langmähnigen roten Roß aber ist kein anderer als der Diakon Achilla, und sogar der im Gekräusel der Wellen auftauchende Kürbis gewinnt nach und nach ein wohlbekanntes menschliches Aussehen: zwei sanfte blaue Augen und eine eingeknickte Nase zeigen, daß wir es nicht mit einem Kürbis zu tun haben, sondern mit dem Kahlkopf des alten Konstantin Pizonskij, dessen Greisenleib ganz im kühlen Wasser steckt.
Es sind die Badeliebhaber von Stargorod, die von alters her an jedem schönen Sommermorgen hier zusammenkommen und gemeinschaftlich sich des frischen Wassers erfreuen.
Als erster stürzt sich der Arzt mit einem mächtigen Anlauf kopfüber in den Fluß und schwimmt auf den großen breiten Stein zu, der sich in der Mitte des Flusses einen Fuß hoch aus dem Wasser erhebt.
Mit ein paar mächtigen Schlägen hat er ihn erreicht, klettert auf seine glatte obere Platte hinauf.
»Ich bin wieder der erste im Wasser!« ruft er lachend. Und brüllt dem Achilla zu:
»Schwimm doch schneller, du Pharao! – Kahlkopf, komm herauf! Kahlkopf, komm herauf!«