»Alexandra Iwanowna, seien Sie mir herzlichst willkommen,« erwidert der Propst ihren Gruß. »Meine Frau steht gleich auf, und dann sind Sie so freundlich, eine Tasse Tee mit uns zu nehmen.«
Die Dame dankt. Sie sagt, sie sei in die Stadt gekommen, um eine Totenmesse für ihren verstorbenen Gatten lesen zu lassen, und bittet Tuberozow, doch recht bald in die Kirche zu kommen.
»Ich stehe ganz zu Ihrer Verfügung.«
»Vielen Dank. Ich will jetzt nur noch für einen Augenblick zur alten Prepotenskaja, sonst ist sie gekränkt.«
Sie nickt dem Priester zu und im nächsten Augenblick ist der leichte Wagen verschwunden. Der Propst schickt das Dienstmädchen zum Küster mit dem Befehl, zur Frühmesse läuten zu lassen und den Diakon Achilla in die Kirche zu beordern; dann tritt er vor den Heiligenbilderschrein, seine Morgenandacht zu verrichten. Eine halbe Stunde später schlägt die Domglocke an, und gleich darauf kommt das Mädchen zurück mit der Meldung, sie habe den Diakon Achilla nicht finden können, niemand wisse, wo er sei. Zum Warten ist aber keine Zeit mehr und so nimmt der Propst seinen Stab mit der Inschrift »Der Stecken Aarons erblühte« und begibt sich in den Dom. Er ist noch keine zehn Minuten fort, als die Pröpstin Natalia Nikolajewna durch das plötzliche Erscheinen des Diakons Achilla höchlich überrascht wird. Er ist ganz außer sich.
»Mütterchen,« ruft er, »alles, was ich Euch gestern von den Totengebeinen versprochen hatte, ist zuschanden geworden.«
»Das habe ich mir doch gleich gedacht,« erwidert Natalia Nikolajewna.
»Nein, bitte sehr, Ihr müßt erst wissen, warum es zuschanden geworden ist. Wie ich es Euch gestern versprach, so habe ich's auch gemacht. Ganz wie sich's gehört, habe ich die Überreste dieses Menschen, den der Warnawka gekocht hat, durchs Fenster gestohlen, in den Sack gesteckt und zu mir nach Haus getragen. Dann habe ich sie in den Karren geschüttet. Aber als ich heute nachschaue, ist der Karren leer! Kann ich dafür?«
»Ja, wer beschuldigt dich denn?«
»Das ist es ja eben. Mich überkam sogar ein Zweifel, ob ich sie nicht schon nachts vergraben hätte, aber heut früh im Bade war der Arzt so frech gegen mich, daß ich gleich aus dem Bad zum Warnawka gerannt bin. Alle Fensterläden waren geschlossen. Ich guckte durch eine Ritze, und da seh' ich, daß der Gekochte wieder heil und ganz am Nagel hängt! Wo ist der Vater Propst? Ich muß ihm gleich alles erzählen!«