Der Gast kam der Aufforderung nach und bat den Lehrer noch einmal, zu berichten, was für ein Leid ihn betroffen hätte und wie alles so gekommen wäre.


Zehntes Kapitel.

»Mein Leiden begann mit meiner Geburt, Valerian Nikolajewitsch,« fing der Lehrer an, »und wurzelt in der Hauptsache darin, daß ich von meiner Mutter geboren bin.«

»Trösten Sie sich, lieber Freund, alle Menschen sind von ihren Müttern geboren,« entgegnete Darjanow und wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Nur Macduff wurde aus dem Mutterleibe geschnitten, und auch nur, damit Macbeth von keinem besiegt werde, den ein Weib gebar.«

»Na ja, Macbeth! … Was schert mich euer Macbeth? Wir brauchen keinen Macbeth, wir brauchen Aufklärung. Aber was soll man machen, wenn man hier nicht studieren kann? Ich kann es ohne weiteres beschwören, daß weder in Petersburg, noch in Neapel, noch sonstwo in der Welt der Mensch, der etwas lernen will, auf solche Hindernisse stößt, wie hier bei uns. Da redet man von Spanien … Aber wie ist's mit Spanien? In Spanien ist die Lutherbibel verboten. Schön! Dafür aber haben sie auch Verschwörungen und Aufstände und Gott weiß was alles. Ich bin überzeugt, wenn sich dort jemand ein Skelett zu wissenschaftlichen Zwecken anschafft, so wird niemand was dagegen einzuwenden haben. Aber hier? Kaum hatte ich die Knochen präpariert, so ließ meine eigene Mutter mir keine Ruhe mehr. ›Sei lieb, Warnawa, mein Kind, ich will ihn beerdigen.‹ Was heißt das: ›ihn‹? Was ist das für ein ›Er‹? Warum sind diese Knochen ein Er und keine Sie? Hab' ich recht oder nicht?«

»Vollkommen recht.«

»Ausgezeichnet. Jetzt sagt man, daß ich meiner Mutter nicht vernünftig zuzureden verstehe. Ja, was soll ich denn noch sagen? ›Mütterchen, laßt die Knochen in Ruhe,‹ sprach ich. ›Ihr versteht nichts davon. Ich habe sie nötig, ich studiere den Menschen daran.‹ Aber was soll ich machen, wenn sie mir stets darauf antwortet: ›Weißt du, lieber Warnascha, es ist doch besser, wenn ich ihn begrabe.‹ – – Das ist doch nicht zum Aushalten.«

»Allerdings.«