»Bitte sehr! Solange ich am Leben bin, wird die Sache nicht gemacht! Es ist schon genug, daß Ihr alles verzögert!«
»Was verzögern ›sie‹ denn?«
»Als ob Sie das nicht wüßten!«
»Etwa die Revolution?«
Der Lehrer brach seine Arbeit ab und nickte spöttisch.
Elftes Kapitel.
»Nachdem ich dies alles von Danilka gehört hatte,« fuhr Warnawa fort, »begab ich mich zur Biziukina zurück, um sie davon in Kenntnis zu setzen, und eine Stunde später, als ich nach Hause kam, waren alle Knochen schon fort. ›Wo sind sie geblieben? Wo?‹ schrei' ich, – und diese Dame, meine Frau Mama, antwortet: ›Sei nicht bös, mein lieber Warnaschenka (haben sie mir schon so einen scheußlichen Namen gegeben, muß er jetzt auch noch so ekelhaft verdreht werden), sei nicht bös, die Obrigkeit hat sie holen lassen.‹ – ›Was ist das wieder für ein Blödsinn,‹ schrei' ich, ›von was für einer Obrigkeit quasselt Ihr denn?‹ – ›Während du fort warst,‹ sagt sie, ›kam der Diakon Achilla ans Fenster und hat sie alle mitgenommen.‹ Was sagen Sie dazu? ›Seit wann gehört der Diakon zur Obrigkeit?‹ – ›Ja, Lieber,‹ sagt sie, ›wieso denn nicht? Er hat doch die Weihen empfangen.‹ Wie soll man mit einer solchen Person reden? Sie lachen, Ihnen kommt das komisch vor, mir aber war gar nicht lächerlich zumute, als ich selber zu diesem Banditen hingehen mußte. Jawohl! Achilla nennt mich feige und alle glauben es, aber gestern habe ich bewiesen, daß ich kein Feigling bin; geradewegs begab ich mich zu Achilla. Als ich hinkam, schnarchte er bereits. Ich klopfte ans Fenster und rief: ›Gebt mir meine Knochen heraus, Achilla Andrejewitsch.‹ Es dauerte eine Weile, bis er erwachte, und sofort mit seinen Unverschämtheiten loslegte: ›Was willst du mit den Knochen? (Was soll dies familiäre Du? Seit wann sind wir so intim?) Du bist ohne Knochen viel netter.‹ – ›Das geht Euch gar nichts an, ob und wann ich netter bin.‹ – ›Im Gegenteil, das geht mich sogar sehr viel an, denn ich bin eine geistliche Person.‹ – ›Aber Ihr habt nicht das Recht, fremdes Eigentum fortzunehmen.‹ – ›Sind denn Totengebeine Eigentum? Du solltest erst mal kapieren, daß du solches Eigentum gar nicht besitzen darfst.‹ Darauf erwiderte ich ihm, daß der Diebstahl den geistlichen Personen doch wohl auch nicht gestattet sei: er kenne wahrscheinlich die englischen Gesetze nicht. In England könne er dafür gehenkt werden. Und was antwortet er mir? ›Wenn du mir von allerlei Gesetzen vorschwatzen willst, dann bedenke gefälligst, daß du dafür nach der Gendarmeriekanzlei gebracht werden kannst. Da schiebt man dich bis zum Gürtel ins Kellerloch und dann setzt es Rutenhiebe mit zwei Bündeln zugleich. Dann hast du dein England.‹ Und damit schmeißt er sich wieder auf sein Bett. Jetzt war mir alles klar. Ich ging sofort zu Biziukins, um gleich alles Daria Nikolajewna zu erzählen, die ganz meiner Meinung war. Wie ich ihr gestern meine Vermutungen über den Diakon Achilla mitteilte, sagte sie sofort: ›Natürlich ist er ein Spion! In Ihrer gegenwärtigen, gefährlichen Lage muß es Ihre Hauptsorge sein, wieder in den Besitz der Knochen zu gelangen und sie dann aufs allereifrigste zu Lehrzwecken auszunutzen. Achilla kann sie jetzt bei Nacht noch nicht fortgeschafft haben, und wenn Sie sich gleich zu ihm schleichen, so können Sie sie wiederbekommen. Passen Sie nur auf, daß er Sie nicht erwischt, sonst könnte er Sie arg verhauen …‹«
»Verhauen?«