»Sie hatte sie begraben?«
»Jawohl!«
»Ohne Scherz?«
»Als ob man mit der Frau scherzen könnte! Ich bat und bettelte: ›Liebes, gutes Mütterlein, ich will Euch lieben und ehren, aber sagt mir, wo habt Ihr meine Knochen gelassen?‹ ›Frage nicht, Warnascha, mein Liebling, sie haben jetzt Ruhe.‹ Ich versuchte, was ich konnte, ich weinte, drohte mit Selbstmord, versprach ihr endlich sogar, fortan jeden Tag zu beten, – es half alles nichts! Voller Wut ging ich zur Schule, fest entschlossen, heute nacht den Spaten zu nehmen, eins der alten Gräber hier auf dem Friedhof aufzugraben und mir ein neues Skelett zu verschaffen; denn diesen Triumph durfte ich der Bande nicht gönnen. Ich hätte es auch ganz bestimmt getan. Wäre das nicht ein sogenanntes Verbrechen gewesen?«
»Sogar ein großes.«
»Sehen Sie. Und wer hätte mich dazu gebracht? Die eigene Mutter! Sicher wäre es so gekommen, wenn nicht zu meinem Glück ein Junge in die Klasse getreten wäre, der erzählte, am Flußufer hätte ein Schwein Knochen ausgegraben. Ich stürze hin, fest überzeugt, daß es meine Knochen sind, – was auch der Fall war. Das Volk schwatzt von Wiederbegraben, ich jedoch jage das Pack zu allen Teufeln. Plötzlich höre ich den Achilla nahen. Ich raffe meine Knochen rasch zusammen und renne, was ich rennen kann. Achilla kriegt mich am Rock zu fassen. Ich wende mich um, – krach! Der Rockschoß ist zum Teufel. Achilla packt mich am Kragen, – wieder kracht's, und der Kragen ist auch zum Teufel. Nun hat er mich bei der Weste. Krach! Die Weste ist mitten entzwei gerissen. Er will mir nun an den Hals. Ich aber renne, was ich rennen kann, – und sitze jetzt hier und säubere die Knochen. Da kamen Sie und erschreckten mich von neuem. Ich meinte, es wäre Achilla.«
»Aber was denken Sie, Achilla wird doch nicht über Ihren Zaun steigen! Er ist doch Diakon.«
»Jawohl, Diakon! Sie haben gut reden. Der kümmert sich viel darum. Mir sagte der Kommissar Danilka gestern, Achilla hätte beim Abschied zu Tuberozow geäußert: ›Nun, Vater Sawelij, bis ich diesen Warnawa kleingekriegt habe, sollt Ihr mich nicht Achilla den Diakon, sondern Achilla den Krieger nennen.‹ Mag er Krieg führen soviel er will, ich fürchte ihn nicht. Ich weiß jetzt, was ich zu tun habe. Ich bin nämlich zu der Überzeugung gekommen, daß ich hier nicht länger bleiben kann. Ich korrespondiere mit verschiedenen Leuten in Petersburg, von denen einer ein großes Unternehmen plant, an dem ich mitwirken kann. Freilich macht sich bereits auch dort die Gemeinheit breit, – und die gesinnungstüchtigsten Zeitungen fangen schon an, sich über die wachsende Begeisterung für die Naturwissenschaften lustig zu machen. Haben Sie es gelesen?«
»Ja, ich glaube etwas Ähnliches gelesen zu haben.«
»Aha! Also auch Ihnen leuchtet es ein! Nun sagen Sie mal, wozu haben sie uns denn dann immerfort dazu angetrieben, an Fröschen zu experimentieren und so weiter?«