Tuberozow, von der Messe zurückgekommen, saß beim Tee, auf demselben Sofa, auf dem er nachts geschlafen, und vor demselben Tisch, an dem er seine Memorabilien geschrieben hatte. Die Pröpstin bediente ihren Gatten, um dessen Ruhe sie so besorgt war, daß sie ihm alles an den Augen abzusehen suchte und nicht wagte, durch irgendeine Frage seine ernsten Gedanken zu stören. Flüsternd befahl sie dem Dienstmädchen, die beiden Pfeifen des Propstes mit Shukowschem Knaster zu stopfen und sie in den Ständer in der Ecke zu stellen, und dann setzte sie sich ihm gegenüber und wartete, das Kinn auf die Hand gestützt, bis der Propst das erste Glas geleert habe und ein zweites verlangen würde.
Aber ehe es so weit war, wurde ihre Aufmerksamkeit durch einen ungewöhnlichen Lärm ganz in der Nähe des Hauses abgelenkt. Man vernahm hastige Schritte und wirre Stimmen, die sich hin und wieder zu wütendem Geschrei verdichteten. Die Pröpstin schaute zum Fenster ihres Schlafzimmers hinaus und sah, daß Lärm und Geschrei von einer Menschenmenge herüberdrangen, welche sich mit großer Hast geradewegs auf ihr Haus zu bewegte.
»Was kann das sein?« dachte die Pröpstin, ging ins Wohnzimmer zurück und sagte ihrem Manne:
»Sieh doch, Vater Sawelij, was da für eine Menge Leute kommt.«
»Leute gibt es viel, meine Liebe, aber es sind keine Menschen darunter,« antwortete Sawelij ruhig.
»Nein, du solltest wirklich hinaussehen, es sind ihrer furchtbar viele.«
»Laß sie doch rumlaufen, soviel sie wollen; gib mir lieber noch ein Gläschen Tee.«
Die Pröpstin nahm sein Glas, füllte es, reichte es ihm und trat wieder ans Fenster. Der lärmende Haufe war verschwunden. Nur drei oder vier aus ihm standen noch herum und blickten mit offenkundiger Verlegenheit nach dem Tuberozowschen Hause.
»Um Gotteswillen, brennt es nicht irgendwo bei uns, Vater Sawelij!« rief die Pröpstin und stürzte entsetzt ins Zimmer ihres Gatten, aber schon an der Schwelle blieb sie stehen und begriff endlich, was eigentlich geschehen war.
Die Tür zum Wohnzimmer ging lärmend auf und in der Wohnstube des Propstes erschien der Diakon Achilla, und dicht hinter ihm, feuerrot und ganz verwirrt, der Kommissar, welchen Achilla fest am Ohr hielt.