Eine goldene Nacht! Stille, Licht, Duft und belebende Wärme. In der Ferne hinter dem Garten stimmte jemand ein wohlklingendes Lied an. In den dichten Faulbeersträuchern am Zaune begann eine Nachtigall zu schlagen; im Bauer an der hohen Stange zwitscherte eine verschlafene Wachtel. Man hörte das wohlgenährte Pferd im Stalle atmen und sah eine lustige Hundeschar über die Wiese hinter dem Gartenzaune lautlos rennen und in dem formlosen schwarzen Schatten der zerfallenen alten Salzspeicher verschwinden.

Katerina Lwowna stützte sich auf einen Ellenbogen und blickte auf das hohe Gras, das im Mondlichte schimmerte. Es sah wie vergoldet aus, seltsame Mondflecken huschten wie leuchtende Falter durch die Halme, und das Gras unter den Bäumen schien, in das Netz der Mondlichtstrahlen verfangen, hin und her zu schwanken.

»Ach, Sserjoscha, schau nur, wie schön es ist!« rief Katerina Lwowna aus.

Ssergej sah sich gleichgültig um.

»Was bist du heute so freudlos, Sserjoscha? Bist du vielleicht meiner Liebe schon überdrüssig?«

»Sprich nicht solchen Unsinn!« antwortete Ssergej trocken. Er beugte sich träge zu ihr und küßte sie.

»Du bist treulos, Sserjoscha,« sagte Katerina Lwowna, »du bist gar zu unbeständig.«

»Ich kann diese Worte gar nicht auf mich beziehen,« antwortete Ssergej ruhig.

»Warum küßt du mich dann so lässig?«

Ssergej gab keine Antwort.