»Strümpfe? Sserjoscha, ich habe noch ein paar neue Strümpfe.«
»Ach, behalt sie nur!«
Katerina Lwowna sagte kein Wort. Sie lief in ihre Zelle, packte in aller Eile ihren Sack aus und brachte Ssergej ein Paar dicke blaue wollene Strümpfe mit grellfarbigen Zwickeln.
»Jetzt wird es irgendwie gehen,« sagte Ssergej, sich von ihr verabschiedend und ihr letztes Paar Strümpfe mitnehmend.
Katerina Lwowna kehrte überglücklich in ihre Zelle zurück und schlief sofort ein.
Sie hörte gar nicht, wie gleich darauf Ssonetka in den Korridor kam und wie sie erst bei Morgengrauen wieder zurückging.
Das spielte sich nur zwei Tagemärsche vor Kasan ab.
XV
Ein kalter trüber Tag mit durchdringendem Wind und einem mit Schnee vermengten Regen empfing den Transport vor dem Tore des dumpfen Etappengefängnisses. Katerina Lwowna trat recht frisch und munter ins Freie. Als sie sich aber an ihren Platz stellte, erbebte sie am ganzen Leibe und wurde grün. Es wurde ihr finster vor den Augen, und alle ihre Glieder begannen zu schmerzen. Sie hatte Ssonetka in den ihr wohlbekannten blauen wollenen Strümpfen mit den grellfarbigen Zwickeln erblickt.
Katerina Lwowna schleppte sich mehr tot als lebendig vorwärts; sie blickte wie irrsinnig und wandte ihre Augen nicht von Ssergej.