Wer diesen Worten nicht lauschen will, wen der Gedanke an den Tod selbst in dieser traurigen Lage nicht erfreut, sondern erschreckt, der muß alle die heulenden Stimmen mit einem noch häßlicheren Geheul übertönen. Das einfache Volk weiß das sehr gut: es entfesselt dann seine ganze tierische Natur und beginnt, sich selbst, die andern Menschen und alle Gefühle zu verhöhnen. Es ist auch sonst nicht besonders zartfühlend; unter solchen Umständen wird es aber noch einmal so roh und boshaft.
»Wie geht’s, Kaufmannsfrau? Sind Euer Wohlgeboren bei guter Gesundheit?« fragte Ssergej in frechem Tone Katerina Lwowna, als das Dorf, in dem der Transport die letzte Nacht verbracht hatte, hinter dem nassen Hügel verschwunden war.
Gleich darauf wandte er sich an Ssonetka, hüllte sie in den Schoß seines Mantels und begann mit hoher Stimme zu singen:
»Hinterm Fenster leuchten deine Locken, Schätzchen,
Ach, mein Jammer schläft nicht, und du schläfst nicht, Kätzchen,
Mit des Mantels Saume will ich dich bedecken ...«
Bei diesen Worten umarmte er Ssonetka und küßte sie vor aller Augen ...
Katerina Lwowna sah es und sah es nicht. Sie war wie geistesabwesend. Die Leute stießen sie in die Seite und machten sie darauf aufmerksam, wie sich Ssergej gegen Ssonetka benahm. Sie wurde zur Zielscheibe des allgemeinen Spottes.
»Laßt sie in Ruhe,« trat Fiona für sie ein, sooft jemand von den Sträflingen über die halbohnmächtige Katerina Lwowna zu spotten anfing. »Seht ihr denn nicht, daß die Frau ganz krank ist?«
»Sie hat sich wohl die Füßchen durchnäßt,« scherzte ein junger Sträfling.