Elftes Kapitel.

Der Fürst war von Natur aus ein guter und edler Mensch, sehr phlegmatischen und schläfrigen Charakters, mit nur wenig Energie, die er auch dort selten zu zeigen pflegte, wo sie am notwendigsten gewesen wäre.

Doch Drukart kannte den Charakter des Fürsten besser wie wir alle anderen.

„Glauben Sie ja nicht,“ meinte er, „der Fürst besäße wenig Charakter- und Willensstärke; er ist ein sehr lieber, herzensguter Mensch, nur muß man ihm stets die Sache, um die es sich handelt, klar und deutlich vorstellen. — Er ist zwar weder Falke noch Adler, das ist gewiß, mit seinen Augen bringt er auch nicht gleich alles in Brand und schlägt auch niemanden mit seinen Flügeln tot; aber was er einmal sich in den Kopf genommen, was sich in seinem Hirn und Herzen festgesetzt, das spinnt er von hier aus weiter und sein ‚guter Junge‘ äußert sich dann bald.“

Hier muß ich die Bemerkung machen, aus welchem Grunde man diesem Fürsten, dem gütigsten unter den guten und dem mildesten unter den milden, den Beinamen „guter Junge“ gab.

Der Fürst war hochgewachsen und besaß ein imponierendes Auftreten.

Die hervorragendste Eigenschaft seines Charakters war seine Herzensgüte, die sich jedoch mehr passiv als aktiv äußerte.

Es schien, als wünsche und wolle er, daß es allen gut gehe, nur war er sich darüber nicht klar, in welcher Art und Weise er dieses erreichen könnte und deshalb überließ er alles dem — Zufall.

Sein Gesicht zeigte die ruhige Zufriedenheit eines guten Gewissens, es war unbeweglich und diese Unbeweglichkeit der Gesichtszüge blieb auch dann unverändert, wenn er böse wurde oder ihn etwas bewegte, oder wenn er sich über etwas aufregte, in letzteren Fällen bemerkte man an ihm eine eigentümliche Erscheinung, seine Oberlippe und sein Schnurrbart gerieten in eine zitternde krampfhafte Bewegung.

Diesen Zustand nannte seine Umgebung und seine Bekannten — „den guten Jungen“ — da er sich dann zeige, wenn der Fürst am meisten erregt ist; dieser „gute Junge“ enthob den Fürsten vom vielen Reden und unnötigen Gesten.