Diesen erwähnten Tag war der Jude bedeutend ruhiger, seine Verzweiflung und Mutlosigkeit war eine schwächere, geringere, als am vorhergehenden Tage; er heulte, jammerte und ächzte auch heute noch, jedoch viel seltener, auch heute warf er sich hin und her und zuckte krampfhaft auf, aber alles dieses war, im Vergleiche zum vorhergehenden Tage, doch bedeutend mäßiger.
Diese Beruhigung konnte man dem Umstande zuschreiben, daß er seinen Sohn, wenn auch aus ziemlicher Entfernung, gesehen hat, da derselbe in demselben Wirtshause interniert war, wo die anderen Rekruten bewacht wurden.
Sowie Drukart den Introligator neben sich in den Schlitten setzte, fingen die früheren Erscheinungen der Verzweiflung und Mutlosigkeit, des Jammers und der Angst in stärkerem Maße aufzutreten.
Wie man mir später erzählte, soll sich der Jude wie ein Wahnsinniger, überhaupt wie einer, der den Verstand verloren hat, gebärdet haben, er griff mit beiden Händen an den Kopf, sprang auf, schrie, schwenkte mit den Händen in der Luft, ja soll während der Fahrt einigemal versucht haben, aus dem Schlitten herauszuspringen und wegzulaufen.
Wohin? — Warum und weswegen? — darüber dürfte er sich selbst nicht klar gewesen sein; aber als sie durch das Festungstor fuhren, da gelang es ihm doch aus dem Schlitten herauszuspringen, dabei fiel er jedoch auf einen Schneehaufen, sprang jedoch rasch auf, lief gegen die Mauer, und die Hände ringend schrie er helllaut:
„Oi! Jeschu! Jeschu! ... Was wird der Pop mit mir machen?“
Zwei diensteifrige Soldaten, welche in diesem Augenblicke vorübergingen, griffen den Juden auf, jagten ihm Furcht ein und setzten ihn wieder in den Schlitten.
In wenigen Minuten hielt dieser vor der sogenannten „goldenen Pforte“ an.
Das Gebaren des Juden in der Zeit, während seine Angelegenheit dem Mitropoliten zur Entscheidung vorgetragen worden ist, soll unbeschreiblich gewesen sein; er verbeugte sich und machte tiefe Bücklinge und Reverenzen nicht nur vor allen ihm begegnenden Mönchen und dienenden Brüdern, sondern auch vor den Bildern, welche einen außergewöhnlich großen Eindruck auf ihn geübt hatten.
Dabei hörte er aber nicht auf zu seufzen und zu jammern.