Siebzehntes Kapitel.

Solcher Leute, wie Ochrim, gab es zu jener Zeit in Kleinrussland mehrere, alle lebten ohne viel von sich reden zu machen, sie blieben unbekannt der sogenannten Intelligenz, aber waren sehr geachtet und verehrt von den Bauern und Kasaken.

Es mußte aber ein viertel Jahrhundert verstreichen, ehe man zu der Überzeugung gelangte, daß unter den Augen der Lebenden, unbeachtet, eine große nach Tausenden zählende Sekte erstanden ist, die wir unter dem Namen Stundisten kennen.

Ich selbst habe einen der Gründer dieser Sekte persönlich gekannt; es war ein herzensguter, gegen jeden freundlicher, zuvorkommender Junggeselle — Kasak.

Wie die Mehrzahl seiner Glaubensgenossen lernte er mit Überwindung vieler Schwierigkeiten das Lesen und Schreiben, und lehrte sodann die Knaben und Mädchen der Gemeinde und Umgebung.

Wie Ochrim, so auch mein Bekannter lehrte bereits erwachsene Mädchen Lesen und Schreiben, erzählte ihnen an den Spinnabenden die Lebensgeschichte Jesu, seine Lehren und seine Leiden, wobei die Weiber spannen oder nähten.

Seine Redeweise war die denkbar einfachste, gänzlich ohne jede Dogmatik und theologische Findigkeiten; seine Reden hatten hauptsächlich den Zweck, die Menschen im Sinne der Lehren des Christentums zu erziehen.

Mein Bekannter — Prediger Kasak — lebte jedoch auf dem linken Ufer des Dneper, in einem Orte, wo es, außer ihm, keine weiteren Stundisten gab.

Übrigens bestand zur Zeit meiner Erzählung weder hüben noch drüben des Dnester eine regelrechte Organisation des Stundismus.

Achtzehntes Kapitel.