„Oh! Erde! Erde! tue dich auf und verschlinge uns beide!“
Nachdem sie sich ein wenig beruhigt hatte, stand sie auf, bekreuzte sich mehrmals und begab sich nach Hause.
Eine Stunde später sah man die Kerasivna, in schwarzem Kleide mit einem großen Stock in der Hand mit langen Schritten auf der Straße in der Richtung nach der Gouvernementsstadt eilen, wo der Sava in seiner Stellung als Dorfgeistlicher eingeweiht werden mußte.
Leute, welche der Kerasivna auf der Straße begegneten, waren nicht wenig darüber erstaunt, die Kerasivna so raschen Schrittes der Stadt zueilen zu sehen; sie ruhte nirgends aus, setzte sich am Wege nicht nieder, brummte ohne Unterlaß etwas leise vor sich hin und sah im allgemeinen so aus, als wenn sie zum Tode geführt werden würde: sie betrachtete nur den Himmel und bewegte ihre Lippen, was die Begegnenden dahin auslegten, daß sie bete.
Auch diesmal blieb ihr Flehen und Bitten unerhört; alle ihre Gebete halfen nichts!
Obzwar sie genau zu jenem Akte in die Kirche kam, als der Diakonus, welcher den Neophyten einkleidete, das in der Kirche angesammelte Volk frug, ob Jemand gegen die Einweihung irgend eine Einsprache zu erheben habe, und sie zu schreien anfing — „ich will nicht! ich will nicht!“ — so hatte ihr Protest nicht nur keine Beachtung gefunden und Sava wurde zum Geistlichen eingeweiht, sondern sie selbst wurde aus der Kirche vom Volke selbst hinausgedrängt und der außerhalb der Kirche stehenden Polizei übergeben.
Das Ende ihrer schnellen Reise bestand in zehn Tagen Arrest, während welchen sie nicht nur die sämtliche schmutzige Wäsche des Polizeikommissärs rein waschen, sondern noch außerdem zwei Faß Kraut einstampfen mußte.
Die Kerasivna glaubte aber immer noch nicht daran, daß Sava tatsächlich zum Geistlichen, Popen, eingeweiht worden wäre, als sie aber die volle Wahrheit erfuhr, da fiel sie auf die Knie und rutschte auf diesen den ganzen Weg aus der Gouvernementsstadt bis zu ihrer Hütte, eine Strecke von achtzig Werst, um den Sava, ihren Täufling, bereits in voller Tätigkeit als Popen in seinem Geburtsorte zu finden.
Neunzehntes Kapitel.
Wie ich bereits erwähnte, waren die Einwohner von Paripsami ganz glücklich darüber einen Popen zu besitzen, der im Orte geboren worden war, den Sohn eines Kasaken, weshalb Sava bei seinem Einzug mit großem Enthusiasmus empfangen worden ist.