Es ist schwierig sich vorzustellen, welchen Eindruck der Schluß der Rede auf die Anwesenden und besonders den friedfertigsten und gütigsten aller Priester, den Popen Sava machte.
Anfänglich war er bereit, derartige Reden als die eines fieberkranken Menschen, eines Sterbenden, anzusehen, ja er lächelte sanft, indem er sagte:
„Rede doch nicht so, Patin: wie wäre es denn möglich, ich, ungetauft, da Du doch meine Patin bist?“
Kerasivna bewies aber, daß sie noch bei vollem Verstande sei, indem sie zur Antwort gab:
„Ich, Deine Patin? — — Lasse das! — Dich hat Niemand getauft ... Auf wen alle Schuld fällt, weiß ich nicht ... und konnte mir auch darüber mein Lebenlang nicht klar werden ... Ob alles das, was geschah, die Folge war unserer Sünden oder bloßer Zufall, oder ob der heilige Nikolaus allein der Schuldtragende ist ... ich weiß nicht ... Doch, schau, jetzt kommt der Vikarius mit dem Popen aus Peregudi ... Setze Dich neben mir hierher ... und ich werde euch, wie es geschah, daß Sava ungetauft geblieben, erzählen.“
Der Vikarius wollte zwar nicht anfangs zulassen, daß Sava und die Kasaken bei dieser Beichte zugegen seien, mußte aber nachgeben, nachdem Kerasivna darauf bestand und erklärte nur in Gegenwart dieser Anwesenden alles zu sagen, im anderen Falle aber nichts.
Und nun hört zu, was Kerasivna erzählte.
Einundzwanzigstes Kapitel.
„Sava,“ fing sie an, „Du bist überhaupt weder Sava noch Pope, sondern — ungetauft, was nur mir allein und Niemandem anderen bekannt ist. — An dem allen ist allein Dein verstorbener Vater, der Dukač, schuld, der einen heftigen, reizbaren Charakter besaß, den Niemand liebte, aber alle mieden und fürchteten, und bei dem Niemand, als ihm ein Sohn geboren wurde, Gevatter sein wollte. — Der alte Dukač ließ die junge Frau des Popen und einen Beamten einladen, seinen Sohn aus der Taufe heben zu wollen, beide sagten ab. — Darüber ist der alte Dukač so wild geworden und so böse auf alle, sogar den Popen selbst, daß er Niemanden mehr im Dorfe bitten wollte, seinen Sohn aus der Taufe heben zu wollen. — Auch ohne euch alle werde ich fertig — meinte er — auch ohne eueren Kram. — Er rief seinen Verwandten Agap, welcher bei ihm seit seiner Kindheit, nachdem seine Eltern gestorben, lebte und durch dessen Behandlung derselbe verblödete, befahl ihm ein paar starke Pferde vor den Schlitten zu spannen. Mich wählte er zur Patin für sein Kind und sagte: fahr’ mit Agap in das Nachbardorf und lass’ das Kind dort taufen ... Er schenkte mir sogar einen Pelz — Gott mit ihm — seit jener Zeit habe ich ihn nicht mehr angezogen; so hängt er nun mehr als dreißig Jahre lang an demselben Nagel, auf welchen ich ihn damals aufhängte. — Mir befahl der alte Dukač darauf zu achten, daß bei der Taufe nichts ungehöriges vorfalle, namentlich aber, sagte er, bemühe Dich mit dem dortigen Popen gut auszukommen und darauf zu sehen, daß er nicht, vielleicht aus Bosheit, dem Kind einen schweren oder gar einen Moskauer Namen gebe. — Es war um Barbara herum, im Dezember; das Wetter war höchst unbeständig, ja geradezu gefährlich, denn nach Barbara kommt Nikolai, das ist der Moskauer Hauptheilige, welcher uns Kasaken feindlich gesinnt ist, und nur den Moskovitern alles zuschanzt. Wenn etwas bei uns Kasaken geschieht, mag es sein, was es wolle und selbst dann, wenn wir im vollsten Rechte wären, wird er zu unserem lieben Herr Gott gehen, ihm dieses und jenes vorreden, ihm alles das so vorstellen und ihm einreden, daß alles zum Vorteile der Moskoviter ausfällt, denn seine Moskauer hebt er stets heraus, selbst wenn sie etwas getan hätten, was nicht recht ist, er wird sie jedesmal rechtfertigen und jedesmale alle Schuld auf die Kasaken schieben. — Doch neben dem heiligen Nikolaus da wohnt gleich in der Nachbarschaft der heilige Sava. Er ist einer von unseren Kasaken und uns deshalb sehr gewogen. Welche Stellung er im Himmel einnehmen mag, ist nicht bekannt, aber immerhin dürfte sie eine hohe und ziemlich einflußreiche sein, denn er nimmt sich stets seiner Kasaken an und ist stets ihr Verteidiger und Gönner.“
Ich antwortete dem Dukač: