Schau — sage ich — Du hast Dich meines Mannes erinnert; was er gesehen, das weiß ich besser als Du, aber sage ’mal, was siehst Du?

„Ich sehe dort etwas sehr Großes stehen, eine große goldene moskauer Mütze hat es auf dem Kopf, es sprühen sogar Funken aus derselben.“

Die Funken sprühen aus Deinen besoffenen Augen.

Ich war der Meinung, daß das, was er zu sehen meint, gar nicht möglich sei, andererseits ist aber doch der Gedanke bei mir aufgekommen, daß dies wahr sein und der heilige Nikolaus böse sein könnte darüber, daß wir das Kind nicht auf seinen Namen, sondern Sava taufen lassen wollen; ich sagte dem Agap:

Was und wer es auch sein mag, beachte es nicht, jetzt wollen wir tun, als wenn wir nachgeben und seinen Willen tun möchten, und morgen tuen wir dann, was wir wollen. — Lass’ die Pferde, sie sollen gehen, wohin sie wollen — die werden uns gewiß nach Hause bringen; meinetwegen kannst Du alles austrinken, was noch in dem Fäßchen ist.

Agap war darüber ganz erstaunt.

Ja, trinke nur, Agap — sagte ich — trinke nur, aber zu Hause sage bei Leibe nichts, was vorgefallen ist, ich werde schon eine Geschichte zusammenstellen, die ich ihnen erzählen, und die sie für wahr halten werden. — Ich werde sagen, das Kind ist getauft auf den echten kasakischen Namen Sava, wie es der alte Dukač gewollt hat, auch das Kreuzchen werde ich ihm zeigen, das ich ihm um den Hals gehängt habe, dann werde ich sagen, der Pereguder Pope hätte befohlen das Kind am nächsten Sonntag nochmals in die Kirche zu bringen, damit er es nochmals segnen könne, deshalb müssen wir nochmals nach Peregudi fahren, wo dann das Kind getauft wird, wie es sich für einen wahren Christen gebührt. — Ich schaute wieder nach dem Kinde und fand, daß es lebt und ruhig schläft, und so warm ist, daß sogar eine auf seine Stirne gefallene Schneeflocke sofort zerschmolz; mit diesem Wasser bekreuzte ich seine Stirne und sprach dabei: im Namen Gott des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes taufe ich Dich auf den Namen des heiligen Sava.

Wir ließen den Pferden freien Lauf; sie sollen gehen wohin sie wollen. Die Pferde gingen und gingen — bald blieben sie stehen, bald zogen sie an; das Wetter gestaltete sich immer ärger und ärger; der Sturm heulte; die Kälte wuchs.

Agap wurde schließlich voll trunken; anfangs brummte er etwas unverständliches, schließlich verstummte er, wälzte sich in den Schlitten und fing an zu schnarchen.

Mir aber wurde immer kälter und kälter, ich fühlte, wie meine Glieder starr zu werden anfangen, schließlich wurde ich bewußtlos und erwachte erst in der Hütte des Dukač, wo man mich mit Schnee rieb.