Er war für das frühere Kanzleiregiment eingenommen und konnte sich mit Neuerungen nicht befreunden.
Er gab gewöhnlich ganz seltsame, originelle Ratschläge, welche sehr stark an des Diakons Weisheit erinnerten.
So z. B. erinnere ich mich, daß als ich einmal vor Müdigkeit und schlaflosen Nächten meine Augen kaum mehr offen halten konnte, er mir sagte:
„Machen Sie es so, wie es mich mein alter Diakon lehrte; nehmen Sie aus meiner Dose eine Prise Tabak, der wird ihre Augen öffnen und den Schlaf verjagen. — Zu jener Zeit, als noch wirklich Dienst gemacht wurde ... Sie waren noch lange nicht auf der Welt ... haben wir dieses Mittel stets alle benützt.“
Dieser und auch die anderen älteren Herren wurden von der übermütigen Jugend sehr oft geneckt und nicht selten aus ihrer Ruhe und Geduld gebracht, wobei mitunter aus dem Spaß großer Ernst wurde, der sehr oft bis zum Handgemenge überging.
Die Zeit, wo derartiges vorkommen konnte, ist noch nicht so ferne, aber scheint der jetzigen Nachfolge fast unglaublich.
Das Geräusch vernehmend, glaubte ich annehmen zu können, daß die Jugend wieder einmal einen der Titularräte hänsele und daß es schließlich zu einem kleinen Handgemenge gekommen, welches gewöhnlich zu allgemeiner Zufriedenheit unter heftigem, weit schallenden Lachausbruche endete.
Doch diesesmal schien etwas Außergewöhnliches vorgefallen zu sein, denn ich hörte, daß meine ganze „Bande“ auf einmal aus der Kanzlei verschwand; es wurde darin ganz stille.
Ich stand auf, um nachzusehen, was vorgehe.
Der große Saal war leer; Kerzen brannten auf den Tischen; nur in einer Ecke saß unbeweglich hinter seinem Tische, wie eine Mumie, der Senior meiner Titularräte, der Nestor der Kiever Kanzleien — Platon Ivanovič Dolinskij, welcher den Vladimirorden für fünfunddreißigjährige tadellose Dienstzeit besaß.