Dieser unser Senior war außergewöhnlich groß, mager, weißhaarig, ein Kleinrusse (Chochol), sehr unnahbar, sich für eine wichtige Persönlichkeit haltend.
Er stand nie ohne besondere Notwendigkeit oder Veranlassung von seinem Sitze auf, sprach mit Niemanden und wenn ja — dann nur um diesen auszuschimpfen, wobei er sich ausschließlich des Chochol-Dialektes bediente.
Sowie er mich erblickte, sah er über seine in Kupferdraht gefaßten Augengläser hinweg auf mich, zog seine Stirne kraus und fing an zu schelten:
„Wie kommt es, daß Sie nicht bemerken, was hier vorgeht? — Sie sehen, alle sind fortgelaufen, um einen ruppigen Juden in Augenschein zu nehmen. — Sie wollen Kanzleivorstand sein? Schämen Sie sich! — Gehen Sie doch hinaus auf den Korridor und jagen Sie alle hierher zu ihrer Arbeit.“
„Was für ein Jude hat sich hierher verirrt?“ frug ich.
„Der Teufel weiß, von wo er gekommen! Er ist noch immer hier und wälzt sich auf dem Korridor herum.“
Ich nahm den Leuchter von einem Tisch und ging in den Gang.
Hier in dem breiten, nur schwach beleuchteten Gange standen alle meine Beamten, einen dichten Kreis bildend, und betrachteten, einer dem anderen über die Achsel schauend, einen in der Mitte des Kreises stehenden Menschen, der mit verzweiflungsvoller, klagender Stimme im gemeinsten jüdischen Jargon sich hören ließ:
„Ai! wai! — Lassen sie mich, lassen sie ... Ui! ai, ai, ai, wai, lassen sie! ... Ai, lassen sie mich, ich habe keine Zeit, denn, dort — dort bei der Kirche ... lief er weg ... Ai! Herr Metropolit, Herr Metropolit ... ai, ai, wai, Herr Metropolit ... wann werdet ihr alter Mann ... ai, wai! ... wann werdet ihr an Gott glauben ... ai! ... was wird das werden! ... ai! lassen sie mich ... ai! ai!“
„Wohin sollen wir Dich, krätziger Jude, lassen?“ unterbrach der diensttuende Soldat Aleksejev den Jammernden.