»Dieser Titel deucht mir heute befremdlicher wie je! — Welch eine Herrschaft möchte ich wohl erstreben, außer jener einzigen — über sein Herz! — Du fürchtest, Tante, daß ich einst Mangel an Geld und Gut leiden werde! — Was frage ich danach? — Wäre Friedrich Karl der ärmste aller Männer gewesen, ich würde ihn ebenso geliebt haben, ihm ebenso überglücklich meine Hand gereicht haben, wie jetzt! Was verlange ich noch vom Leben, da es mir ihn und seine Liebe schenkte? Nichts! Tausendmal nichts! — Du weißt, daß ich niemals viel Sinn für Glanz, Pracht und Wohlleben gehabt habe. Dazu hast du mich zu ernst und solide erzogen, hast mich eine bessere und höhere Werte des Lebens kennen gelehrt. Die bunte, große Welt mit all ihrer Lust und ihren Zerstreuungen war mir gleichgültig, ich habe in ihr gelebt, weil ich von dem Schicksal auf ihren glänzenden Boden gestellt wurde, aber im Gegenteil, ich würde meiner Liebe und meines Glückes froher sein, wenn ich es nicht mit andern teilen müßte. — Dies ist ja der einzige Punkt, in welchem ich nicht mit meinem Herzallerliebsten harmoniere!«

»Das glaube ich!«

»Wie bitter das klingt, Tantchen! — Ist es denn ein Unrecht, wenn Friedrich Karl sich seines Lebens freut, es gern in möglichst glänzendem Rahmen genießt? Gewiß nicht, das ist nur Geschmackssache; und da er die Mittel besitzt, um in der großen Welt zu leben, und gewissermaßen auch die Verpflichtung hat, seinen Namen zu repräsentieren, so lasse ich es sehr dahingestellt, ob seine Geschmacksrichtung nicht viel natürlicher und richtiger ist, als die meine!«

»So wirst du dich bekehren lassen?«

Gundula neigte das schöne Antlitz so tief, daß die duftigen Wogen des Brautschleiers darüber hinflossen.

»Das dürfte schwierig, aber nicht unmöglich sein! Ich werde mich gern dem Geschmack meines Mannes anpassen ...«

»Auch wenn dich derselbe in herben Widerspruch zu deinen Pflichten setzt?«

Die junge Braut blickte erschrocken, beinahe verständnislos empor. »Wie könnte das möglich sein?«

»Wirst du blindlings alles gut heißen, was dein Gatte tut? Als Frau lernt man oft sehr viel schärfer und weitsichtiger urteilen, wie als Mädchen!«

Das rosige Antlitz war jählings erbleicht, Gundula hob ihr Haupt und schaute der Sprecherin starr in die prüfenden Augen. Ein seltsam fremder Zug schlich sich plötzlich um die lächelnden Lippen, fest und energisch, ein Gemisch von Stolz und Unwillen.