»Dein Vater hat am gestrigen Tage sein Testament gemacht und dich nach seinem Tode zur Erbin eingesetzt, welche unumschränkte Vollmacht über ihr Vermögen hat, — er hat dies entgegen meinen inständigen Bitten getan, er hat auch keinerlei Bedingungen mehr gestellt, obwohl er weiß, daß du mit deinem Gatten in Gütergemeinschaft leben wirst. — Je nun, er ist ein Starrkopf und sein eigener Herr, ich bin überzeugt, daß er nach bester Überzeugung gehandelt hat. Du selber, Gundula, bist in Geldangelegenheiten und Geschäftssachen leider Gottes unerfahren wie ein Kind, darum kann ich dir kaum klarmachen, welch eine Gefahr dieses Testament für deine Zukunft birgt! — Um so berechtigter ist aber meine Bitte, welche du hoffentlich nicht abschlägst, auch wenn du dieselbe in diesem Augenblick noch nicht verstehst!«

»Sprich, Herzliebe ...«

»Du weißt, daß Tante Margarete dir ihr ganzes Vermögen vermachte, allerdings mit der Klausel, daß ich, solange ich lebe, den Nießbrauch des Kapitals habe?«

»Ja, Tantchen! So Gott will, wirst du dich noch viele lange Jahre dieser Renten freuen!«

Agathe überhörte die Worte, sie blickte mit sorgenvoller Stirn geradeaus ins Leere und fuhr beinahe hastig fort:

»Von diesem Erbe, welches dir zusteht, weiß niemand etwas, — dein Vater hat es selbst mir gegenüber nie erwähnt, er wird auch ganz bestimmt bei Friedrich Karl nichts davon gesagt haben, wie ja seltsamerweise der Geldpunkt bei den Herren nie erwähnt worden ist! Dein Gatte wird also nie von diesem, deinem Besitz etwas ahnen, wenn du ihm nicht selber Mitteilungen davon machst!«

»Aber Tante Agathe, wie sollte ich! Das Geld gehört ja noch gar nicht mir!«

Ein herbes Zucken umzog die Lippen der alten Dame. »Es gibt Fälle, wo Menschen mit aller und jeder Möglichkeit rechnen, wenn sie ...« Die Sprecherin brach kurz ab und fuhr in dringlichem Tone fort: »Auf dieses Kapital bezieht sich meine Bitte, Herzensliebling! Gelobe es mir in dieser Stunde mit heiligem Eide, nie und nimmer deinem Gatten gegenüber von diesem Erbe zu sprechen! Gelobe es mir! Schwöre es mir, wenn dir die Ruhe meiner Seele wert ist! — Sieh mich nicht so fragend, so erstaunt an! Ich kann und will dir nicht die Gründe sagen, welche mich zu dieser Forderung bewegen, — ich beschwöre dich nur mit all der innigen Liebe, welche ich dir seit langen Jahren gezeigt, ich flehe dich an als Stellvertreterin deiner teuren, verewigten Mutter: Schwöre mir, Gundula, nie und nimmer zu Friedrich Karl von diesem Geld zu sprechen!«

In den Augen der jungen Braut glänzten Tränen. Sie warf sich an die Brust der Sprecherin und schluchzte leise auf: »Obwohl ich nicht den Grund für diese seltsame Bitte einsehe, Herzenstante, und das Empfinden habe, als ob es nur ein unbegreifliches Mißtrauen gegen meinen Geliebten sei, welches sich dir auf die Lippen drängt, will ich dir dennoch ewiges Schweigen geloben, — dir zur Beruhigung! — Soll ich auf das Bildchen meiner lieben Mutter schwören? Ach, warum so feierlich, — es ängstigt mich! Aber wie du willst, Liebste! Ich bin überzeugt, daß du es gut mit mir meinst!«