Diese Augenblicke gehörten dem jungen Paar; Tante Agathe trat schweigend in den Erker und blickte auf die Straße hinab.
Wohl konnte sie kaum ein herrlicheres Bild sehen als diese beiden jugendschönen Menschen, welche sich so glückverklärt in die Augen schauten, als sei die ganze Welt ein Zauberland trunkener Wonne geworden, — aber sie wandte sich dennoch ab, als sei dieses Licht zu grell und blendend, als tue es den Augen weh.
Sonne ohne Schatten versengt und verdorrt ...
Drunten drängte sich eine neugierig erregte Menge um die prunkende Galakutsche der Bären von Hohen-Esp.
Auf dem Wagenschlag prangte das Wappen, der schreitende Bär im goldenen Feld. —
Wird Gundula eine echte, kampfesmutige Bärin werden, welche zur rechten Zeit die Zähne weisen kann?
Agathe seufzte tief auf.
Jenes kraftvoll schöne Mädchen, welches wie eine Walküre das scheuende Pferd bändigt, ist doch nur ein schwaches, liebendes, demütiges und unendlich sanftes Weib, welches sich von dem heißgeliebten Mann ohne Vorwurf und Groll zugrunde richten läßt. — Ihr Vater war blind, wenn er von der stolzen Festigkeit ihres Charakters sprach!
Und doch ... wie hatte es vorhin so wundersam in den samtweichen Taubenaugen aufgeblitzt, als sie der Möglichkeit dachte, daß der Mann, welcher für sie der Inbegriff aller edeln Vollkommenheit war, einmal eine gewissenlose und schlechte Tat begehen könne!