Versteckt sich unter den weißen Taubenschwingen dennoch der trotzige Nacken der Bärin? — Je nun, ob sie einst selber für sich und ihre Existenz kämpfen wird, die reiche, reiche Gräfin von Hohen-Esp, oder ob sie es nicht tut und schwach und hilflos von dem ehernen Schritt des Verhängnisses ereilt wird — Tante Agathe hat in dieser Stunde für die arme Verblendete gesorgt — für sie und ihre Kinder.
Nun erst ist sie ruhig, nun sieht sie still und leichten Herzens auf all die gleißende Pracht, welche ihre grellen Funken über Kranz und Schleier der jungen Frau wirft. —
Der Kammerherr war eingetreten.
Er trug seine elegante Hofuniform, welche sonst seiner markigen Gestalt so besonders kleidsam gewesen. Auch gerne ging er trotz des Krückstocks hoch und stolz aufgerichtet, und ein Ausdruck großer Genugtuung lag auf den eisernen Zügen; dennoch erschienen dieselben farblos und greisenhaft, und das nervöse Zucken der graubuschigen Augenbrauen fiel mehr noch auf denn sonst.
»Ich bin froh, daß ich diesen Tag noch erlebe!« hatte er am Morgen gesagt, »er gibt meinem Leben einen guten Abschluß.«
Jetzt streifte sein Blick aufleuchtend das junge Paar, ein schmunzelndes Nicken — und dann bot er seiner Schwester Agathe den Arm — es schien wenigstens so — in Wahrheit führte sie ihn.
»Komm, du treue Pflegemutter, unser Wagen wartet.«
Die beiden Alten gingen, und Friedrich Karl schlang den Arm noch inniger um die reizende Braut, welche in der Residenz als gefeiertste Schönheit galt.
Er blickte ihr tief in die ernsten blauen Augen, welche ihm wie verklärt in Glückseligkeit entgegenstrahlten.