»Nun bist du mein, Gundula!« flüsterte er, und sein frisches, hübsches, so lebenslustig lachendes Antlitz färbte sich höher.
»Für Zeit und Ewigkeit!«
»Und wirst nie einen andern lieber haben wie mich?« —
»O, daß du fragen kannst!«
Er lachte beinahe übermütig: »Und wirst nie ein Geheimnis vor mir haben, kleine Frau?« Er dachte sich wohl selber nicht viel bei dieser Frage, denn er blickte nicht forschend in ihr Antlitz, sondern zog ihr Köpfchen noch fester an die Brust und drückte die Lippen kosend auf die blühende Myrte in ihrem Haar. Er bemerkte es nicht, wie sie zusammenzuckte, er sah nicht, wie sie erbleichte, er wartete auch kaum auf eine Antwort, sondern fuhr nach kleiner Pause fort: »Deine süßen Augen verraten mir ja doch alles, und in ihnen laß mich täglich lesen, daß du glücklich bist! Wahrlich, Gundula, kein Mensch kann eine festere, redlichere Absicht haben wie ich, alles zu tun, um dein Leben sonnig und schön zu gestalten! Man sagt zwar, der Weg zur Hölle sei mit guten Vorsätzen gepflastert, aber das ist Torheit, denn unser gemeinsamer führt direkt in den offenen Himmel hinein! Gundula — hast du mich lieb?«
Wie ein Aufschluchzen klang es von ihren Lippen, sie antwortete nicht, sondern küßte ihn. — Sonnengold flutete über sie hin, in ihr Herz aber war ein Schatten gefallen, der lastete dunkel und schwer, und in all ihrem traumesschönen Glück zog es wie ein anklagender Schmerzensschrei durch ihre Seele: »Tante Agathe, warum hast du mir das getan!«
II.
Der Graf von Hohen-Esp und seine junge, liebreizende Frau galten für das glücklichste Paar im Lande!
Nicht deshalb, weil Pracht und Glanz sie umgaben, weil Sorge und Kummer unbekannte Gäste in ihrem Hause waren, weil sie alles besaßen, was dem Herzen Freude — und dem Leben Reiz verleiht, — sondern, weil sie einander aus heißer, inniger Liebe geheiratet hatten. Auf Gundulas Wunsch hatte das junge Paar die Flitterwochen auf Burg Hohen-Esp verlebt, und ein paar Damen und Herren der Gesellschaft, welche, auf weiterer Fahrt durch das Land begriffen, für etliche Stunden in dem wunderlichen alten Strandschloß Rast gehalten, konnten gar nicht genug erzählen, wie wahrhaft verklärt in unaussprechlicher Glückseligkeit die junge Gräfin dreingeblickt.