Ihr sei die Stille und Einsamkeit dieses Aufenthalts ersichtlich sehr sympathisch, während der lebenslustige Gatte wohl nur aus Galanterie und im Rausch des Honigmonats in diesem freiwilligen Exil aushalte!

Selbstredend werde das junge Paar schon bei Beginn der großen Rennen »auf der Bildfläche« erscheinen und den Winter in der Residenz verleben. Graf Friedrich Karl habe das heilig gelobt und sehr vergnügt dabei ausgesehen, auch Gundula habe sehr liebenswürdig gelächelt, aber doch heimlich geseufzt!

Ob sie eifersüchtig ist und den Gatten am liebsten in die Klostereinsamkeit der alten Bärenburg einsperrte? — Wohl möglich! Aber dann wehe der jungen Frau!

Der Erbherr von Hohen-Esp ist nie ein Heiliger gewesen und hat auch gar keine Anlage dazu, sein Leben in Sack und Asche zu vertrauern! — Gundula sei ja sehr hübsch, und daß sie den jungen Lebemann durch ihre äußeren Reize in Fesseln geschlagen, sei auch begreiflich; ob sie aber das Zeug dazu haben werde, ihn dauernd zu fesseln?

Sie ist nicht allzu geistreich, nicht im mindesten das, was man amüsant nennt.

Friedrich Karl habe bisher freilich der pikanten Lustigkeit gefallener Engel nie auffällig gehuldigt und sich beim Bakkarat besser unterhalten wie in den schwülen Salons der Demi-Mondainen, dennoch sei ein Charakter wie der des jungen Millionärs ganz unberechenbar, und die Langeweile zeitige oft Launen und Marotten, welche früher ganz ferngelegen. Eine eifersüchtige Frau aber ist immer ein Unglück sowohl für sich wie für andere. Kommt ein Mann nicht von selber auf dumme Gedanken — eine eifersüchtige Frau bringt ihn darauf! Ihre ewigen Anschuldigungen, ihr Mißtrauen weisen ihm erst den Weg. —

Zwar hat man an Gundula stets eine große Sanftmut und Nachgiebigkeit gerühmt, und selbst ihre Jungfer hat nach vier Jahren noch versichert, ihr gnädiges Fräulein sei die verkörperte Herzensgüte —! — Ob aber diese Taubennatur noch vorhalten wird, wenn sie eine Bärin von Hohen-Esp geworden?

Femme varie! und die Eifersucht ist eine Krankheit, welche so urplötzlich aufkeimt und in Saat schießt wie das Unkraut auf dem Felde.

Ja, die Zukunftsehe der Hohen-Esps bildete in der Residenz das unerschöpfliche Thema, welches am Teetisch und im Rauchsalon mit gleichem Interesse in allen Tonarten variiert wurde!

Währenddessen träumte das junge Paar eine zauberhafte Spätsommeridylle auf Hohen-Esp, der einsamen, uralten Burg, welche sich auf bewaldeter Bergkuppe am Ufer der Ostsee erhebt und weithin über die blauwogende Unendlichkeit schaut.