Guntram Krafft stand vor dem Tisch Nr. 3 und übersah die Visitenkarten, welche auf den Gläsern lagen.
Ein jeder Platz war besetzt.
Unschlüssig und tief enttäuscht schaute er über die Tafel.
»Wünschten der Herr Graf gerade an diesem Tisch zu sitzen?« fragte es hinter ihm.
Ein Lakai und der Haushofmeister, welcher mit jeder neuen Erscheinung am Hofe vertraut schien, trat diensteifrig näher und verbeugte sich ebenso höflich wie respektvoll.
»Es wäre mir allerdings sehr lieb gewesen!« versicherte der Hohen-Esper, sehr angenehm durch das Interesse des alten Hofbeamten berührt.
»Aber bitte, Herr Graf! Nichts leichter wie das! Es müssen sowieso noch Plätze eingeschoben werden, da der Herr Hofmarschall noch in dem letzten Augenblick Ansagen von benachbarten Garnisonen erhielt! Also fügen wir noch ein Kuvert ein ... befehlen Herr Graf vielleicht hier?« — und er neigte den wohlfrisierten Kopf und las: »von Heidler ... ah ... unser Vortänzer ... dann hier seine Dame ... und neben derselben ... befehlen der Herr Graf?... oder vielleicht hier an der Ecke ...«
»Nein, nein! Danke verbindlichst! Der Platz hier ... welchen Sie zuerst bezeichneten, ist mir sehr angenehm ...« und der Sprecher zog seine Visitenkarte aus der Brusttasche und reichte sie dar.
Wieder stieg die heiße Glut in seine Wangen, und voll verlegener Hast wandte er sich und schritt nach dem Saal zurück.
Ihm war's, als müßte man ihm all seine jubelnden Gedanken von der Stirn ablesen! Vor wenig Minuten hatte er gewähnt, all die hellen Kerzen ringsum seien erloschen und dunkle, trostlose Nacht umgebe ihn, seit er gehört, Gabriele sei die Braut eines andern, und nun plötzlich, als er vernimmt, daß dies Gerede eitel Lug und Trug ist, da schlägt sein Herz auf in ungestümer Glückseligkeit, und die elektrischen Flammen ringsum blenden ihm die Augen, so leuchten und funkeln sie!