Warum das? —

Er vermag sich selber kaum Rechenschaft darüber zu geben, er überläßt sich willenlos dem fremden, eigenartigen Zauber, welcher ihn gefangenhält.

In der mit Blumen dekorierten Vorhalle des Saales treten ihm ein paar ältere Herren mit Band und Stern entgegen und reden ihn in liebenswürdiger Weise an.

Sie sind Tänzer und Jugendbekannte seiner Mutter gewesen und erkundigen sich voll aufrichtigen Interesses nach Gräfin Gundulas Ergehen.

Guntram Krafft freut sich, von ihr sprechen zu können, er empfindet es voll stolzer Genugtuung, daß man seine Mutter so hoch schätzt und verehrt, und als der eine der Herren die Hand auf seinen Arm legt und sagt: »Kommen Sie, Graf, ich muß Sie zu meiner Frau bringen! Sie ist ebenfalls eine gute Bekannte Ihrer Frau Mutter von früherer Zeit und wird sich sehr freuen, von ihr zu hören und ihren Sohn kennenzulernen!« — da folgt der junge Mann so heiter und unbefangen, als ob ihn die letzte halbe Stunde heimisch auf dem Parkett gemacht habe.

Er sieht im Vorüberschreiten Gräfin Thea, welche ihm lebhaft zuwinkt.

»Wo um alles in der Welt stecken Sie denn, Graf? Ich möchte Sie gern den jungen Damen vorstellen! — Halten Sie ihn bitte nicht allzu fest, Exzellenz — zum nächsten Walzer ist er urkundlich verpflichtet!«

Sie hält lachend die Tanzkarte empor, und der Begleiter Hohen-Esps zuckt scherzend die Achseln. »Wenn Sie den Grafen allerdings an solch holde Pflicht gemahnen, Komtesse, wird er mir fahnenflüchtig, noch ehe er der alten Garde den Eid geleistet hat! — Aber unbesorgt — ich war zeitlebens ein unbescholtener Mann und begehre nicht meines Nächsten Weib, Knecht oder Walzertänzer!! — Au revoir!« —

Und als der nächste Tanz mit den weichen, lockenden Klängen der »Rosen aus dem Süden« einsetzt, stockt Guntram Krafft plötzlich in der Unterhaltung mit der Frau Minister und schaut abermals in Gräfin Sevarilles erhitztes Gesichtchen, welches ihm aus nächster Nähe zulächelt.

»Sie haben engagiert, lieber Graf?« fragte die alte Dame in schnellem Verstehen: »Das ist recht! Ich werde mich freuen, Sie tanzen zu sehen! Und den achtundzwanzigsten dieses Monats reservieren Sie uns also ... wir werden uns freuen, Sie zum Diner bei uns begrüßen zu können.«