»Ich ahnte es! Sie sind von Gabrieles Schönheit bezaubert, und es würde keine liebere Mission für mich geben, als Ihnen das Herz der Gefeierten zuzuwenden!«
»Wenn Sie mir nur eine kleine Anleitung geben wollten, Gräfin, von was ich Fräulein von Sprendlingen unterhalten soll, was ich tun muß, daß sie mir ihr Interesse zuwendet! — Wenn sie es wüßte, daß sie mir so sehr, sehr gut gefällt ...« er unterbrach sich und strich abermals mit der Hand über die Stirn: »Das Reiten scheint ihr viel Freude zu bereiten ... und wenn sie Wert darauf legt, will ich gern ...«
»Dragoner werden?!« Thea hob beinahe entsetzt die Hand und sah plötzlich ganz blaß aus. »Wäre das Ihr Ernst, Graf?« —
Er lächelt. »Nein, daran ist gar kein Gedanke, Gräfin. Wozu das? Ich habe daheim ernstere Pflichten zu erfüllen, als wie hier in behaglicher Friedenszeit eine Uniform spazierenzutragen —.«
»Ganz meine Ansicht! Und eine Frau, welche das nicht einsieht, verdient es nicht, Ihre Gemahlin zu werden!«
»Solange wie meine Mutter lebt, werde ich mein Leben genau nach ihren Wünschen regeln, denn ich weiß, wieviel ich ihr zu verdanken habe, und erachte den Gehorsam gegen sie als meine Schuldigkeit.«
»Wie edel, wie schön von Ihnen gedacht, Graf!« rief Thea mit begeistertem Aufblick in sein Auge: »Wie sprechen Sie mir aus der Seele! Wie billige ich Ihre Denkweise so völlig! Ich kenne zwar Ihre Frau Mutter nicht, aber nach allem, was ich von ihr hörte, verehre ich sie höher wie alle andern Frauen und denke es mir als höchstes Glück, ihr zu Diensten leben zu können! Welch ein sündliches Begehren wäre es, der einsamen Frau noch ihren letzten Trost, ihren Sohn zu entreißen, um einer nichtigen Eitelkeit willen!«
Guntram Krafft blickte voll ehrlichen Entzückens zu der Sprecherin nieder. Die Verehrung für seine Mutter gewann ihr vollends seine Sympathien, und seine große Harmlosigkeit war weit davon entfernt, irgendeine Verstellung hinter solch begeistertem Gesichtchen zu suchen.
»O, wenn Fräulein Gabriele doch ebenso denken möchte, wie Sie! — Nein, Dragoner kann ich um ihretwillen nie werden, denn trotz aller Bravour und aller Reiterstücklein reizt mich der Militärdienst in Friedenszeiten nicht sonderlich, — aber ein guter Reiter könnte ich ihr zuliebe trotzdem werden ...«
»Es wäre lächerlich, wenn sie es verlangen wollte! — Reiten lernt ein jeder Rekrut — aber ein Segelboot durch Sturm und hohe Flut steuern, das ist ein Wagnis, ein Heldenmut, wie ihn eine Landratte gar nicht kennt!«