Er blickte hoch aufatmend in ihr erhitztes Gesicht, seine Augen strahlten wie verklärt.
»Also Sie haben Interesse für den Seemann, Gräfin? Sie lieben das Meer und alle seine Herrlichkeit?...«
Sie preßte voll Leidenschaft die Hände gegen die Brust, — die roten Blüten des Kleiderausschnitts rieselten wie Funken über die nervös bebenden Finger.
»Und ob ich sie liebe! — Noch nie lernte ich das Meer kennen, Graf, und doch sehne ich mich voll glühenden Verlangens seit Jahren schon nach seinem Anblick! — Nicht ›Neapel sehen und sterben‹ — seufzt meine Seele, sondern ›die See sehen und in ihrem Zauberbann leben bis zum Ende meiner Tage!‹ Das ist das Gebet, welches in meinem Herzen zittert! — Noch ist es nicht erhört worden, aber ich lasse nicht nach, zu hoffen und zu harren, — einmal muß auch mir das Glück zu Willen sein!«
Er lauschte wie im Traum ihren Worten, welche sich so weich, so innig und aus tiefstem Herzen quellend, in sein Ohr schmeichelten, als höre er nach wirrem Lärm und Mißgetön wieder traute Klänge aus der Heimat.
Ganz unwillkürlich rückte er näher an ihre Seite und legte die Hand auf ihren Arm. »Sie sollen ... Sie werden das Meer sehen, Gräfin ... Sie müssen zu uns nach Hohen-Esp kommen! Sicherlich wird es Ihnen in dem alten Bärennest gefallen, und welch eine Freude für mich, Ihnen das Meer zeigen zu können!«
Ja, eine Freude!
Schon jetzt leuchteten seine Augen bei dem Gedanken, und das Blut stieg ihm abermals so rot und warm in die Schläfen, wie stets, wenn ein glückseliger Gedanke ihm das Herz bewegte!
Und in diesem Moment gaukelte es plötzlich wie ein süßes Traumbild vor seinen Augen; wenn Gabriele die Hausfrau von Hohen-Esp war, mußte dann nicht ihre Freundin kommen, sie zu besuchen und sich an dem weltfernen Glück des jungen Paares zu erfreuen?
Dieser Gedanke trieb ihm pochende Glut in die Wangen, Thea aber hörte nur seine Worte und paßte seine Erregung einzig ihnen an.