Ihr Blick war noch weicher und sehnsüchtiger, ihre Stimme klang noch jubelnder wie zuvor: »Und ob es mir in der Stille Ihres trauten Heims gefallen würde?« flüsterte sie. »O, Graf, ich liebe die bunte Welt mit all ihrem Lärm, ihrem Falsch und Schein nicht! Meine Seele dürstet nach der Ruhe, nach dem Frieden solcher Waldeinsamkeit! O, und Ihre Frau Mutter! Wie wollte ich bemüht sein, ihr die Tage kurz und lieb zu machen! Wie würde mein Leben in ihrem Dienst ein so reiches, hochbeglücktes sein! — Und dann der Gedanke, von Ihnen, Graf, in die Wunderwelt des Strandes eingeführt zu werden, mit Ihren Augen die unendliche Schönheit des Meeres schauen zu lernen, — mit zitternder Seele die dräuende Gottheit im Donnerrollen der Wogen anzubeten!«

Sie sprach voll schöner Leidenschaftlichkeit, mit dem einschmeichelnden Organ, welches sich wie Silberfäden um das Herz strickt, und Guntram Krafft blickte ihr wie verklärt in die Augen und empfand die Nähe der kleinen Gräfin noch mehr wie zuvor als Wohltat! —

Er wollte antworten, in demselben Augenblick drängte sich jedoch ein junger Infanterieoffizier durch die Spalier bildenden Damen und Herren und verneigte sich hastig.

»Darf ich bitten, Komtesse, die Polka, welche Sie so gütig waren, mir zu schenken.«

Thea erhob sich zögernd.

»Ah, die Polka! — Eigentlich dürfte ich nicht mehr tanzen, ich bin todmüde ...«

»Das wäre grausam, Komtesse! Diese eine kleine Polka schadet Ihnen sicher nicht!«

Die junge Dame lächelte, — ein wahres Märtyrerlächeln, blickte zu Guntram Krafft auf und sagte: »So will ich es machen wie die Schwalben, welche zwar scheiden, aber doch jedesmal versichern: Wir kehren wieder!«

»Scharmant gesagt!« applaudierte der kleine Leutnant und bot der Sprecherin den Arm.

Gräfin Sevarille kehrte auch wieder, aber sie fand den Erbherrn von Hohen-Esp in sehr eifrigem Gespräch mit einem Ministerialrat, welchem Guntram Krafft seine Absicht, in Sachen der Rettungsgesellschaft für Schiffbrüchige hier zu wirken, ausgesprochen.