Der alte Herr hörte voll liebenswürdigen Interesses zu und nannte die Bemühungen des Grafen sehr anerkennenswert und hochherzig, versicherte aber, daß er selber in dieser Angelegenheit absolut nichts tun könne und verwies ihn an eine andere Adresse.
Das Gespräch drehte sich zu Theas großem Mißvergnügen noch längere Zeit um lauter sachgemäße Auseinandersetzungen und wollte absolut nicht wieder in jene hochinteressanten Bahnen lenken, wie zuvor. Der Graf schilderte die Gefahren, welche das Hamelwaat für die Seefahrer berge, er sprach mit bewegten Worten von seinen kühnen, zuverlässigen Schiffern und von ihren redlichen Bemühungen, Hilfe in der Not zu bringen — und so aufmerksam Thea anscheinend auch zuhörte und begeisterte Bemerkungen einflocht, — die Spitze ihres zierlichen Füßchens bewegte sich dennoch sehr ungeduldig unter dem Kleidersaum, und das nervöse Spiel mit dem Fächer zeigte es, wie höchst langweilig ihr diese Unterhaltung war!
Zu ihrem Ärger kamen auch wieder neue Tänzer, welche sie nicht gut abweisen konnte, und entführten sie, und der Ball näherte sich seinem Ende, ohne daß sie die so mühsam errungenen Vorteile bei dem Bären noch weiter ausnutzen konnte!
Fraglos hatte sie seine Sympathien gewonnen; solange aber die törichte Schwärmerei für Gabriele noch anhielt, waren ernsthafte Aussichten für sie ausgeschlossen.
Der moderne Parzival war anscheinend doch nicht ganz so unerfahren und weltfremd, wie sie angenommen!
Er hatte bereits die Erkenntnis gewonnen, daß Menschen von der Liebe allein nicht leben können, und »daß die Summe immer klein bleibt, wenn sich nichts mit nichts verbindet!«
Sicher taxierte er den egoistischen und berechnenden Herrn von Heidler richtiger wie sie alle und rechnete mit der Wahrscheinlichkeit, daß derselbe durchaus keine Heiratsgedanken habe, sondern sich lediglich darin gefalle, von der gefeiertsten jungen Dame als Held der Zukunft angeschwärmt zu werden.
Daß aber ein Mann mit reellen Absichten stets den Sieg über einen Courmacher davonträgt, ist eine so alte Tatsache, daß sie selbst in dem weltfernen Hohen-Esp bekannt sein dürfte. —
Thea hatte es längst durchschaut, daß Herr von Heidler viel zu hohe Ansprüche an die Mitgift seiner Zukünftigen stellte, um sich mit Gabrieles Vermögen, so ansehnlich dasselbe auch sein mochte, zufrieden zu erklären; daß dies dem Grafen Hohen-Esp aber möglichst unbekannt blieb, ja, daß er so radikal wie möglich von seiner Schwärmerei geheilt werde, das mußte fürerst die größte Sorge der Gräfin sein.