Ein französisches Sprichwort sagt: »Der Abwesende hat immer Unrecht!« Auch Gabriele, die Rivalin, wird geschlagen werden, während sie fernab von dem Schlachtfeld weilt!

Ist es nicht ganz auffällig, wie sich das Interesse des Grafen schon jetzt der kleinen, hilfsbereiten Freundin zuwendet?

Wie innig drückte er ihr vorhin die Hand, wie allerliebst errötete er bei ihren Worten — wahrlich ein moderner Parzival, ein Kinderherz ohne Arg und Falsch, ebenso leicht durch ein paar Zuckerplätzchen gewonnen, wie ein solches!

Und hoffentlich auch ebenso leicht getröstet, wenn ein hübsches, buntes Spielzeug, nach welchem es naives Verlangen trug, aus seinen Händen gewunden wird. Man gibt ihm dafür ein anderes ... und es wird sich zufrieden geben und sich artig dem Willen derjenigen fügen, welche so sehr, sehr viel klüger und weltgewandter ist wie das große Kind aus dem Strandschloß.

Thea hatte eigentlich noch ein wenig warten wollen, ehe sie den großen Trumpf ausspielte; nachdem sie aber die köstliche Nachricht erhalten, daß Gabriele krank sei, hielt sie nicht länger zurück, sie brannte darauf, das Eisen zu schmieden, so lange es heiß war. Geschmeidig wie ein schillerndes Eidechschen wand sie sich durch die Plaudernden und stand im nächsten Augenblick vor dem Bären von Hohen-Esp, welcher ihr bereits voll fiebernder Ungeduld entgegensah und zum erstenmal seinen Posten an der Tür verließ, um Gräfin Sevarille den Arm zu bieten.

»Jetzt kommt unser Tanz, Gräfin, nicht wahr?« fragte er hastig.

Sie lachte und legte das Händchen mit allen Zeichen großer Erschöpfung auf seinen Arm. »Nein, Gott sei Dank, noch kommt er nicht, Graf! — Ich bin halb tot! Ich muß mich erst eine Weile ausruhen, und darum will ich vor dem nächsten Galopp flüchten und biete ein Königreich für einen Sessel!«

»In des Waldes tiefste Gründe flüchtete die Seherin!« rezitierte ein ganz junger Offizier und trat lachend zur Seite, während Guntram Krafft sehr ernst und eifrig nickte.

»Ganz recht, Sie tanzen viel zu viel, Gräfin, es wird Ihnen schaden!« sagte er und wandte sich nach einem Nebenzimmer, an dessen Spiegelwänden nur eine Reihe von Wiener Stühlen stand: »Kommen Sie bitte hier herein! — Es ist kühl und menschenleer!«

Seitlich im Zimmer hatten sich etliche alte Herren zu einem L'hombre zusammengesetzt; sie blickten flüchtig auf, ließen sich aber nicht stören, als die jungen Leute entfernt von ihnen, in der Fensterecke, Platz nahmen.