Guntram Krafft stand noch vor Thea, welche sehr graziös und so matt wie ein rosa Wölkchen in der Sommerhitze auf einen der Stühle niedersank.
»Wo bleibt Fräulein von Sprendlingen?« fragte er ohne jedwede Einleitung, so, wie sich ihm die Worte ungestüm auf die Lippen drängten.
»Gabriele? Wissen Sie es noch nicht? Sie ist krank!«
»Krank?! — Mein Gott, was fehlt ihr?«
Thea zuckte mit umwölkter Stirn die Achseln. »Vielleicht erkältet ... vielleicht auch nicht. Herzlose Mädchen kokettieren ja oft nur eine Indisposition, um sich rar und interessant zu machen!«
»Herzlose Mädchen ... kokettieren ...?«.., stammelte Guntram Krafft beinahe erschrocken. »Urteilen Sie so über Ihre Freundin?«
Thea blickte ihn seltsam an, — so warm, so innig und traurig, daß ihm abermals das Blut in die Wangen schoß.
»Setzen Sie sich zu mir, Graf!« hauchte sie weich, entfaltete den Fächer und blickte tief aufatmend auf seine gemalten Narzissen nieder.
»Graf ...!«
Er starrte sie momentan an. »Warum sprechen Sie nicht weiter, Gräfin?«