»O, wie schade, daß Sie die Freundin nicht sehen konnten!« — Er strich mit der Hand über die Stirn, seine Stimme bebte vor Ungeduld.

»Ich ging nach Hause und versuchte mein Heil schriftlich. — Wahrlich, Graf, ich habe es sehr diskret angefangen und begreife nicht, wie Gabriele sogleich an Heiraten denken konnte, aber derart verwöhnte Mädchen wie sie wittern ja überall einen Heiratsantrag; selbst aus meiner durchaus harmlosen Plauderei las Gabriele einen neuen Sturm auf ihr so kaltes, anspruchsvolles Herzchen heraus. Hier, lesen Sie selber, in welch unerhört beleidigender Weise sie mir antwortet!«

Die Sprecherin reichte brüsk den Zettel dar, und Guntram Krafft nahm ihn und neigte das Haupt tief darauf hernieder.

Theas Blick heftete sich scharf auf sein Antlitz, sie sah, wie es erbleichte, wie sein Auge starr und glanzlos auf den Zeilen ruhte. Regungslos saß Graf Hohen-Esp, — sein Atem ging schwer, und der Zettel schwankte momentan in seiner Hand. —

Er antwortete noch immer nicht, und Thea legte leise und zart ihre Hand auf seinen Arm.

»O, sehen Sie, Graf, wie diese grausamen Worte Sie verletzten! O, wie beklage ich es, wie sehr bereue ich es nun, sie Ihnen gezeigt zu haben!«

Er schüttelte den Kopf, faltete den Zettel zusammen und schob ihn in die Brusttasche.

Thea griff hastig danach.

»O, geben Sie zurück, Graf ...«

»Unbesorgt, Gräfin, das Papier ist gut aufgehoben, — ich habe Ihnen ja Diskretion gelobt. Aber ich bitte Sie, mir den Zettel zu eigen zu lassen.«