Er sprach mit seltsam harter, klangloser Stimme, und Thea verschlang mit leiser Klage die Hände.
»Graf ... zürnen Sie auch mir?«
Er blickte sie fragend an. »Zürnen? Ich zürne weder der Schreiberin noch Ihnen. Daß Fräulein von Sprendlingen sich nur für einen Helden begeistern kann und mich niemals heiraten wird, weil ich ihr nicht imponiere, ist Geschmackssache, — dagegen läßt sich nicht streiten.«
»Aber daß sie es so beleidigend ausdrückt, das verzeihe ich ihr nie!«
»Sie ahnte ja nicht, daß ich diese Worte lesen würde, und warum sollte sie Ihnen gegenüber in meinem Interesse rücksichtsvoll sein? Je klarer und deutlicher sie sich ausdrückte, desto sicherer war sie, richtig verstanden zu werden!«
Er sprach sehr ruhig, beinahe monoton, und sein Haupt sank noch tiefer zur Brust.
»Graf!«
Er schrak empor. »Ich danke Ihnen, Gräfin, daß Sie mir jetzt schon erfahren ließen, was mir später wohl noch schwerer angekommen wäre. Ich weiß, daß Sie mir gewiß lieber einen freundlichen Gruß überbracht hätten. Sie haben sich meiner so gütig angenommen, obwohl Ihnen mein Benehmen gewiß äußerst eigenartig erschien. Ich bin ein Fremdling hier, — ich kenne Ihre Sitten so wenig und handelte nur so, wie es mir just in den Sinn kam. Bitte, vergessen Sie diese traurige kleine Episode.«
»Ich soll sie vergessen?« — Thea neigte sich vor und sah ihm voll rührender Innigkeit in die Augen: »Nein, Graf, Sie sollen vergessen, und zwar so schnell und so gründlich wie möglich! Blühen nicht so viele andere holde Blumen um Sie her? Warum muß es gerade die Königin Rose sein, welche an Ihrer Brust blühen soll? Glauben Sie mir, Graf, es ist eine traurige Tatsache, daß die schönsten Mädchen nicht immer die besten sind! Sie werden verwöhnt, eitel, egoistisch und tyrannisch, sie lassen sich von ihren Launen beherrschen und urteilen herzlos und oberflächlich ...«