»Ich tanze keinen Walzer, Komtesse, gestatten Sie, daß ich Ihnen einen zuverlässigeren Tänzer besorge!«

»O nicht doch — ich möchte tausendmal lieber mit Ihnen plaudern, Graf! Jener Platz am Fenster dort ist so gemütlich ...«

Er schien ihre Worte zu überhören, wandte sich zu einem seiner Tischnachbarn, welcher keine Dame geführt hatte, und bat ihn, bei Komtesse Sevarille zum Tischwalzer für ihn einzutreten, da er nicht tanze.

»Selbstverständlich, mit größtem Vergnügen!« versicherte der Angeredete, nachdem er den Grafen ein wenig erstaunt gemustert hatte, verneigte sich vor der jungen Dame und flog auf wiegenden Klängen mit Thea davon.

Guntram Krafft aber wandte sich kurz um und schritt dem Ausgang zu.

Er dachte nicht daran, ob er sich verabschieden müsse oder nicht; es gingen verschiedene Damen und Herren schon jetzt nach dem Souper. So ging auch er, nahm hastig Pelz und Hut und trat in die kalte, stürmische Winternacht hinaus.

Seine Verpflichtungen gegen Thea hatte er erfüllt, nun hielt ihn nichts mehr. Wie ein Verdürstender atmete er die klare, kalte Luft, — sein gequältes Herz hämmerte in der Brust, und seine Augen brannten so heiß, als glühten ungeweinte Tränen darin. Welch eine Beherrschung hatte die letzte Stunde von ihm verlangt!

Als er Gabrieles Worte gelesen, war es ihm zumute wie einem Menschen, welchem das Glück jählings aus den Händen gleitet und in Scherben zerbricht.

Es war der erste große, leidenschaftliche Schmerz, welcher sein Herz traf, es war die erste tiefe, unaussprechlich wehe Wunde, welche ihm geschlagen ward.