Seine Seele, welche bisher nichts anderes gekannt hatte als den stillen Frieden der Heimat, als die Treue, Liebe und Aufrichtigkeit der Seinen, sie lernte zum erstenmal alle Bitterkeit einer Enttäuschung, alle Qual einer hoffnungslosen, unerwiderten Neigung kennen.

Wie Feuer brannte der kleine Zettel auf seiner Brust, wie verzehrendes Feuer glühte ihm das Leid im Herzen.

Jetzt erst, nachdem er Gabriele für immer verloren, begriff er es, wie voll, wie ganz und innig er sein Herz an sie gehängt hatte. So auf den ersten Blick! —

So gläubig und vertrauend wie ein Kind, welches die Schönheit in seinem Märchenbuch liebgewonnen und voll sehnenden Entzückens die Arme nach ihr ausbreitet, wenn sie ihm im Leben unverhofft begegnet. Welch ein schwerer, tosender Kampf in seinem Innern, nach all dem friedlichen Glück vergangener Jahre! —

Dazu kam die herbe Enttäuschung, welche er in der Angelegenheit seiner ersehnten Rettungsstation erfahren.

Dieser Mißerfolg allein hatte schon etwas sehr Niederdrückendes für ihn und trug auch noch dazu bei, seine Stimmung zu verdüstern.

Eine Mutlosigkeit, ein Widerwillen gegen Welt und Leben, wie er ihn zuvor kaum geahnt, überkam ihn plötzlich.

Die Luft in dem Ballsaal war so schwül, so heiß gewesen, die Menschen so ungewohnt, die Musik so schrill und laut.

Hier war es still und einsam in den verschneiten Parkanlagen, und der Wind sauste ihm so frisch und gewaltig entgegen, wie ein alter, treuer Freund, welcher in toller Wiedersehensfreude die Arme um ihn wirft, ihn reißt und schüttelt und ungestüm ruft: »Wo bleibst du so lange? Komm heim! Komm heim!«

Und über ihm das kahle Gezweig knarrt und greint wie Rahe und Segel ... und die fernen Wipfel rauschen wie brandende See ...