In Walsleben fand Gundula alles, was wohl sonst jedes Frauenherz entzückt und hoch befriedigt hätte. —
Gediegene Eleganz, Behaglichkeit und die Erfüllung eines jeden, selbst des anspruchvollsten Wunsches. Es würde die junge Frau auch beglückt haben, wenn sie mehr Wert auf äußeren Glanz gelegt, und Sinn für all die vielen, hübschen Nichtigkeiten gehabt hätte, mit welchen das moderne Wohlleben sich ausstattet und welche einer Reihe von müßigen Tagen einen scheinbaren Inhalt verleihen.
Gundula hatte aber seit jeher wenig Passion für Geselligkeit und alles, was mit derselben zusammenhing.
Ihre tiefgehenden Interessen wurzelten nicht im Parkett, und die reinste Freude, welche sie empfinden konnte, war diejenige an einer schönen Natur, mit all dem stillen Zauber und den unerforschlichen Wundern, welche ihrem Schöpfer Preis und Ehre geben.
Seit sie in der tiefen innigen Liebe zu ihrem Gatten ein übergroßes Glück gefunden, war ihre Neigung für die Einsamkeit eher größer, denn geringer geworden, und so wie sie in dem weltvergessenen Hohen-Esp alles gefunden, was sie schön und wonnig deuchte, um so weniger entsprach das Walslebener Schloß mit seinem eleganten Leben und Treiben ihrem Geschmack. Dennoch verriet nicht das kleinste Wort, nicht der leiseste Seufzer, wie ungern sie hier weilte. Sie sah es ja dem glücklichen Gesicht ihres Mannes an, daß er sich außerordentlich wohl fühlte, und was hätte der selbstlosen und anspruchslosen Seele Gundulas mehr Befriedigung geben können, als den Geliebten froh und zufrieden zu sehen?
Man fuhr schon am zweiten Tag, als die junge Herrin kaum den eigenen, fürstlichen Besitz in Augenschein genommen, in die Nachbarschaft, um Besuche abzustatten.
Da man nur so kurzbemessene Zeit in Walsleben weilte, drängten sich die Einladungen; man besuchte Feste und sah wiederum Gäste bei sich, und Gundula empfand es bei all ihrem Widerwillen gegen eine derartige Vergnügungshetze doch mit unendlicher Wonne, daß Friedrich Karl eine stolze Genugtuung darin fand, der Welt sein junges Weib zu zeigen, daß er sich beneidenswert und glücklich in ihrem Besitze fühlte. —
Zwischen all dem Trubel fanden sich doch noch schöne, stille Stunden, wo der Geliebte ihr allein gehörte, wo er sich ihr voll zärtlicher Ritterlichkeit auch ausschließlich widmete!
Dafür dankte sie ihm durch eine stets liebenswürdige Bereitwilligkeit, ihm hinaus in das laute, bunte Leben zu folgen, und als die für Walsleben festgesetzte Zeit abgelaufen war und der junge Graf voll ungeduldiger Sehnsucht nach neuen Zerstreuungen verlangte, da gab sie gern Befehl, die Koffer zu packen.