Welch ein ruheloses Hin und Her, Kreuz und Quer durch die Welt!
Gundula hatte zuvor wenig von ihr gesehen, die Krankheit des Vaters führte sie alljährlich in dasselbe Bad, und Tante Agathe liebte es nicht, sich in einem »rollenden Sarge« durchschütteln zu lassen.
So fand die junge Frau auch jetzt wieder viel genußreiche Stunden, denn Friedrich Karl unternahm ihr zu Liebe jede Partie und jede Promenade über Berg und Tal, begleitete sie in Kirchen und Museen, obwohl er selbst in freimütiger Ehrlichkeit bekannte, daß er jedweder Kunst gegenüber Barbar sei. Dafür speiste Gundula ihm zu Liebe mit an der amüsanten table d'hôte, fuhr zu Reunionen, in Theater und Konzerte, machte große Toilette, wenn er es verlangte, und opferte Ruhe und Schlaf, wenn es ihm Freude machte, etwas länger an dem grünen Tisch zu sitzen.
Monte Carlo!
Anfänglich hatte Gundula gar nicht geahnt, welch ein Höllenabgrund in diesem Paradiese gähnte. Sie sah voll naiver Verständnislosigkeit dem Spiel zu, bis es ihr allmählich klar ward, was dasselbe eigentlich bedeuten wollte.
Da erschrak sie zum erstenmal bis in das tiefste Herz hinein.
Sie stand hinter ihrem Gatten und sah, wie die Glut fieberischer Erregung immer dunkler und heißer in sein schönes Antlitz stieg, wie die Banknoten in seiner Brieftasche mehr und mehr zusammenschmolzen.
»Herzliebster« — flüsterte sie in sein Ohr —: »laß uns gehen — ich sterbe vor Müdigkeit!«
Er sprang sofort auf, raffte noch ein paar Goldstücke zusammen und bot ihr den Arm.