Er verbeugte sich und ging.
Wie schwer wurde den Ärmsten der Abschied! Du lieber Gott, ja, — wenn in solch feine Häuser mal das Unglück hereinbricht, dann liegt es immer doppelt so schwer als da, wo man gewohnt war, es von Kindesbeinen auf mit sich herumzuschleppen.
Als sich die Tür geschlossen, breitete Frau von Sprendlingen schweigend die Arme nach ihrer Tochter aus, und Gabrieles Köpfchen sank wie eine sturmgebrochene Blüte an die Brust der Mutter nieder.
Sie sprach nicht, nur ein leises Zittern rann durch den weichen, schmiegsamen, jungen Körper.
Und dann hob sie jählings das Haupt und blickte mit herzzerreißendem Lächeln empor.
»Ich kann es nicht glauben, daß er nicht mehr kommen wollte, Mama! Er muß ja all diese Vergnügungen arrangieren, er verkehrt viel im Hause des Ministers, weil man ihn viel einladet! — Sein Herz weilt sicher bei mir, Mama! Es ist ja ganz unmöglich, daß diese meine herrlichste Idealgestalt so kläglich in Dunst und Nebel zerrinne!«
Frau von Sprendlingen küßte die Stirn ihrer Tochter und wiederholte nur leise: »O, du armes, armes Kind!« — Dann wandte sie sich zur Tür, in welcher das Stubenmädchen erschien und mit betrübtem Gesicht die gnädige Frau um ihr Abgangszeugnis bat. —
Gabriele blieb allein.
Sie stand an dem Fenster und starrte mit erloschenem Blick auf die stille, winterliche Straße hinab, wo die Sonne auf Eis und Schnee glitzerte und fröhlich plaudernde Menschen mit den Schlittschuhen vorübereilten.