Schlittengeklingel ertönte von fern und näherte sich in flottem Tempo.
Gabriele schrak empor, neigte sich vor und starrte mit weitoffenen Augen hinab.
Die Schlittenpartie! —
Da flogen sie heran, die Rosse, mit den bunten, lustig flatternden Schneedecken, da klingelten und rasselten die Schellen durch die schmetternden Musikklänge, und die ersten Schlitten mit den Trompetern jagten vorüber.
Dann mehrere »Familienschlitten« mit den Müttern, Tanten und Papas, und dann, als Erster an der Tete der Jugend, Hans von Heidler neben Fräulein Henny von Larsen. Sie verschwindet beinahe in dem mächtigen, gelben Löwenpelz, ihr spitzes Gesichtchen ist dem Dragoner zugekehrt, und dieser neigte sich so vertraut und keck, wie es seine siegesbewußte Art ist, und lächelt der Kleinen just »tief in die Seele!«
O, Gabriele kennt dieses Lächeln — diese Augen, diese betörende und bestrickende Art! —
Ihr Herzschlag stockt, sie neigt sich noch weiter vor und starrt hinab ... ihre Lippen öffnen sich, als wollten sie voll herben Wehes aufschreien: »Hans! — Hans! Hast du keinen einzigen Blick mehr für mich?« —
Nein, er hat weder Blick noch Gedanken mehr für die öde, verlassene Villa, in welche über Nacht die Armut eingezogen ist.
Der Schlitten fliegt vorüber, ohne daß Herr von Heidler Zeit gefunden, einen einzigen Blick nach dem Fenster emporzuwerfen, hinter welchem das bleiche, liebliche Mädchen steht, dem noch vor wenig Wochen seine leidenschaftlichsten Huldigungen galten. Gabriele taumelt zurück und sinkt auf einen Stuhl, — sie schlägt die kalten, zitternden Hände vor das Antlitz und möchte weinen — weinen — daß ihre ganze Seele in den Tränen dahinschmelze, ... aber ihre Augen bleiben trocken und starr, und ihr Herz blutet still verborgen aus der Wunde, welche falsche Liebe ihr so grausam geschlagen. —