Er umkrampfte die schlanke Hand der Gräfin: »Mein Vermögen? Alles, was wir besitzen, hast du verdient, es ist dein Eigentum, Mutter ... und zehntausend Mark ist wohl das mindeste, was ich benötige!«
Gundula lächelte; zum erstenmal sah ihr ernstes Antlitz beinahe heiter aus in dem Gefühl, dem Sohn, welchen sie über alles liebte, einen Wunsch erfüllen zu können.
»Du weißt, daß ich für dich arbeitete, und du hast mir seit Jahren redlich dabei geholfen. Die zehntausend Mark hast du dir selber reichlich verdient. Wie du sie anwenden willst, ist deine Sache — sie liegen bereit!«
Das Antlitz des Grafen spiegelte die unaussprechliche Freude, welche er empfand. Er schlang die Arme um die Sprecherin und dankte ihr so strahlend glücklich, als sei das Geld ihm zu Genuß und Vergnügen, nicht aber für fremde Not gespendet.
Seit langer Zeit hatte man Guntram Krafft nicht so heiter und lebhaft mehr gesehen, wie jetzt, wo er voll ungeduldigen Eifers sogleich den Bau des Rettungsschuppens in Angriff nehmen und seine notwendige Ausrüstung herstellen ließ.
Alles leitete und ordnete er selbst, und bei der regen Beschäftigung blieb ihm keine Zeit, trüben Gedanken nachzuhängen.
Die Gräfin atmete, wie von Zentnerlasten befreit, auf.
Sie glaubte nun überzeugt zu sein, daß keine unglückliche Liebe das Herz des Sohnes erkranken ließ und seine zeitweise, unerklärliche Schwermut in der Tat nur dem Kummer entsprang, welchen seine vergebliche Mission in der Residenz ihm verursacht.
Gundula grübelte und sann, wie sie ihren Liebling zu einem glücklichen Mann und Gatten machen könne.