Gundula nickte nachdenklich vor sich hin. Eine Witwe, welche ein Unterkommen für die Tochter sucht ... Arme Frau!
Wieder und wieder nahm sie Gabrieles Bild zur Hand, auch dann noch, als sie alle anderen Schreiben geöffnet und die Photographien recht gleichgültig beiseitegelegt hatte.
Wie eine geheime, unerklärliche Gewalt zog es sie zu dem entzückenden Antlitz mit den rätselhaften Augen.
Ein Bild täuscht ja sehr, vielleicht war die Kleine in Wirklichkeit nicht annähernd so sympathisch; aber gleichviel, darauf mußte man es eben ankommen lassen und es abwarten, ob Fräulein von Sprendlingen dem Geschmack Guntram Kraffts entsprechen wird.
Kurz entschlossen griff die Gräfin zu Feder und Papier und schrieb an Frau von Sprendlingen, daß sie gewillt sei, ihre Tochter voll herzlicher Freundlichkeit in ihrem Hause aufzunehmen.
XVIII.
Ein paar Tage waren vergangen.
Es dämmerte. — Guntram Krafft war soeben von dem beinahe vollendeten Rettungsschuppen heimgekehrt, hatte die Kleider gewechselt und trat hastig in das große, uraltmodische Wohngemach der Gräfin, um ihr voll lebhafter Begeisterung von dem vorzüglichen Boot eigener Konstruktion — einem zweckmäßigen Gemisch von Françis- und Peake-System, welches man soeben geprobt hatte — zu berichten.