Gundula trat ihm entgegen, — lebhafter, elastischer schreitend wie sonst.
Sie hielt einen Brief in der Hand und hub bereits von weitem an zu sprechen:
»Endlich kommst du heim, Guntram Krafft; ich wartete mit Sehnsucht auf dich, um eine Angelegenheit mit dir zu bereden, für welche du bisher noch niemals recht Zeit hattest. Nun ist sie vollendete Tatsache — und die höchste Zeit, daß du davon erfährst!«
Der Graf blickte die Sprecherin erstaunt an, schob ihr voll ritterlicher Höflichkeit einen Sessel herzu und lehnte sich erwartungsvoll ihr gegenüber an den Tisch.
Die Gräfin setzte sich nieder und schien gewaltsam gegen eine gewisse Befangenheit anzukämpfen. »Ich bin seit langen Jahren so allein, entbehre jeden Verkehr mit Damen und werde nun auch so alt und abständig, daß ich kaum noch allein dem großen Hauswesen vorstehen kann ...«
Guntram Krafft lachte beinahe übermütig auf, schwieg aber und blickte die Sprecherin aufmerksam an. —
»Ich habe mir daher eine Gesellschafterin engagiert und hoffe, daß du aus Rücksicht für mich mit diesem Zuwachs einverstanden bist!«
»Ah! Das nenne ich vernünftig!« rief der Bär von Hohen-Esp sehr erfreut und durchaus harmlos: »Diese Idee ist einen Dukaten wert und hätte dir bereits zehn Jahre früher kommen sollen! Hast du schon jemand gefunden?«
Die Gräfin öffnete mit geheimnisvollem Lächeln den Brief, entnahm ihm eine Photographie und reichte sie dem Sohn dar.